„Beim Dax erwarte ich eine fast 20-prozentige Steigerung in den nächsten 18 Monaten.“ – David Folkerts-Landau, Deutsche Bank

Die Schlagzeilen der Artikel in diesen Tagen sind amüsant. Selbst bei Journalisten, deren Artikel ich gerne gelesen habe, muss ich mich fragen, ob sie nicht nach der ein oder anderen Top-Platzierung aus sind, wenn sie auf einmal reißerische Schlagzeilen präsentieren. Man liest „Der Kapitalismus ist tot“, „Das System funktioniert nicht mehr“, „Der Kapitalismus enttäuscht seine Jünger“, „Der Börsen-Crash entspricht nicht den fundamentalen Bewertungen“ usw. Was soll das aussagen?

Funktioniert der Kapitalismus wirklich nicht mehr? Die Frage kann ich nicht beantworten, aber von einem Zusammenbruch spüre ich jedenfalls nichts. Es mag Zeiten geben […] Mehr lesen

Erwartungen und Träume

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Von Seth Godin habe ich hier im Blog noch keinen Artikel gepostet. Sein Blog ist aber sehr empfehlenswert, auch wenn er nur entfernt etwas mit Trading zu tun hat. Heute schrieb Seth Godin einen Artikel über Erwartungen und Träume.

Godin schreibt:

Ask a hundred students at Harvard Business School if they expect to be up for a good job when they graduate, and all of them will say „yes.“
Ask a bright ten-year old girl if she expects to have a chance at a career as a mathematician, and the odds are she’s already been brainwashed into saying „no.“
Expectations aren’t guarantees, but expectations give us the chance to act as if, to trade now for later, to invest in hard work and productive dreaming on our way to making an impact.

Ist das nicht ein schönes Bild der heutigen Einschätzung von Studenten und Kindern? Was hindert ein Kind daran eine Karriere als Mathematiker (oder Trader) zu absolvieren, wenn nicht wir uns selbst? Die Gesellschaft gibt Wege vor, in dem sie Meinungen über Wege hat und nur das als „gut“ zulässt, was allgemein anerkannt ist. So funktioniert Auslese und so entstehen Gesellschaften, die über gemeinsame Werte und Meinungen zusammenhalten. Ob sie nun falsch sind oder nicht.

Natürlich kann jeder jeden Beruf erlernen, wenn er nur will. Doch, wenn ich es vorher bereits ausschließe, werde ich nie diesen Weg gehen. Wie Godin schreibt, sind Erwartungen keine Garantien, dass etwas klappt, genauso wenig wie Träume, aber eine Erwartung oder ein Traum leitet und motiviert uns. Wo wären wir heute, wenn Menschen wie Steve Jobs, Ed Seykota, Elon Musk oder tausende andere Menschen früh aufgegeben hätten, nur weil sie denken ihre Erwartungen nicht zu erreichen?

Das gilt auch für Trader. Natürlich wird man nicht über Nacht oder über ein Wochenende ein Trader. Aber erst einmal den Wunsch, Leidenschaft und die Erwartung zu haben, ist ein Anfang. Wie Godin oben schreibt: “ … expectations give us the chance to act as if, to trade now for later, to invest in hard work and productive dreaming on our way to making an impact.“

Hier könnt ihr den ganzen Artikel lesen: The tragedy of small expectations (and the trap of false dreams)

Gibt es einen Markt für Manager?

Auf Spiegel Online stieß ich auf einen interessanten Artikel: „Mindestlohn für alle Angestellten: US-Firmenchef verzichtet auf Millionengehalt“. In diesem ging es um ein US-Unternehmen, welches einen eigenen Mindestlohn für seine Angestellten einführt. Zudem verzichtet der Firmenchef auf sein übliches Gehalt und setzt sich ebenfalls auf die Mindestlohn-Liste, so lange, bis das Unternehmen wieder […] Mehr lesen

Meinung: Ich bin ein Anti-Anti-Mensch

Seit geraumer Zeit verfolge ich die Aktivitäten der Anti-Fraktion in sozialen Netzwerk und Medien. Leider muss ich auch feststellen, dass viele der Menschen dazugehören, die meine Leidenschaft teilen: Das Trading. In sozialen Netzwerken, die einen gewissen Schutz gegen die echte verbale Auseinandersetzung und ein Herdenverhalten bieten, kann ich beobachten, wie Anti-Inhalte geteilt werden: Anti-EU, Anti-Politik, Anti-Griechenland, […] Mehr lesen

Gedanken: Theorie, Praxis, Realität

Theorie, Praxis und Realität müssen nicht verbunden sein.
Jeder von uns hat bestimmt schon einmal die Erfahrung gemacht, dass Theorie und Praxis zwei unterschiedliche Dinge sind. Neben diesen beiden Dimensionen gibt es aber noch eine dritte: Die Realität.

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Theorie, Praxis und Realität sind drei unterschiedliche Dinge, die miteinander verbunden sein können, aber nicht müssen. Oft ist es sogar schädlich, wenn man annimmt, dass sie verbunden werden können.

In der reinen Gedankenwelt fühlt sich dieses gut an, ein Backtest kann sogar positiv sein.

Lasst mich dies anhand eines Beispiels aus der Trading-Welt erklären. Jeder hat sicherlich schon einmal ein Tradingsystem als Theorie entworfen. Es muss gar nicht etwas komplexes sein, ein einfaches Kaufen einer bestimmten Kerzen-Formation, wie z.B. eines Hammers nach dem Aufsetzen auf einem gleitenden Durchschnitts, reicht schon vollkommen aus. In der reinen Gedankenwelt fühlt sich dieses gut an, ein Backtest kann sogar positiv sein. In der Praxis sieht dies schon ganz anders aus.

Die Umsetzung der Theorie in die Praxis hat einige Hürden. Die Singale, die im Nachhinein so klar und deutlich aussehen, sehen auf einmal nicht mehr so deutlich aus. Der Faktor „Mensch“ erhält Einzug in die Theorie und jedes Trading-Signal wird überprüft, Unwohlsein macht sich breit. Wann ist ein Hammer ein wirklicher Hammer und wann ist das „Aufsetzen“ auf einen gleitenden Durchschnitt ein wirkliches Signal? Die Theorie hält der Praxis nicht stand. Das System ist in der Praxis nicht handelbar, da es den Faktor „Mensch“ nicht berücksichtig und keine klar erkennbaren Signale gibt. (Dies ist nur ein Beispiel; es gibt sicherlich Trading-Systeme, die auf Hammer-Kerzen basieren. Alternativ könnte man vollautomatisiert handeln, aber dies hat nur begrenzte Vorteile.)

In der Realität weicht jede neue, zukünftige Kursreihe von einer vorherigen ab.

Darüber hinaus stellt man fest, dass ein Hammer nicht gleich ein Hammer ist. In der Realität weicht jede neue, zukünftige Kursreihe von einer vorherigen ab. Das, was als Hammer ursprünglich definiert war, kommt wahrscheinlich so nicht mehr vor, sondern nur in einer Variante. Wenn die Theorie zu begrenz ist, wird sie an der Realität scheitern. Daneben stellt man fest, dass die Daten eines Backtests nicht der Realität entsprechen. Alleine die Auswahl des Datenpakets, die Zeiträume etc. bestimmten schon das Ergebnis. Die Realität wird sich mit Sicherheit von der Vergangenheit unterscheiden, genauso wie von der Zukunft. Es ist nicht möglich, die Zukunft in einen Backtest mit einzubeziehen.

Was bleibt also übrig? Wie ich ja schon öfter im Blog geschrieben habe, haben für mich Backtests (die ja reine Theorie sind) nur eine sehr begrenzte Aussagekraft. Die Theorie kann mir nur sagen, ob etwas prinzipiell funktioniert hat, aber nicht ob es auch wirklich funktioniert. Wahrscheinlich reicht die Zeit niemals aus, ein theoretisches Trading-System in der Praxis zu testen und zu bestätigen. Das was bleibt ist also sich auf das zu berufen, was tatsächlich heute in der Praxis funktioniert und seine Funktion bis jetzt bewiesen hat. Wie der Lindy Effekt zeigt, hat etwas, was bereits seit langer Zeit existiert, gute Chancen weiter zu existieren. Vielleicht sollte man sich dieses vor Augen führen, wenn man das nächste Mal eine neue Trading-Methode ausprobiert oder Trendfolge als „tot“ klassifiziert.

 

Gedanken: Trader sind Praktiker

Handwerk, Wissenschaft oder Kunst. Was ist Trading?
Wer sucht oder suchte nicht bereits nach dem „Heiligen Gral“ im Trading? Der einen Formel, bei der er immer gewinnt, nie ausgestoppt wird und eine perfekt ansteigende Gewinnkurve entsteht? Diese eine Formel, es muss sie doch geben!? Oder doch nicht?

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Sind Trader Wissenschaftler, Künstler oder Handwerker? Oder von allem ein bisschen? Vielleicht. Trader zu sein, ist ein normaler Job, wie jeder andere auch. Genauso wie ein Gemüsehändler auf einem Großmarkt oder ein Teilnehmer einer Fischauktion in Japan, handelt der Trader mit einer Ware, die er er einkauft und zu einem späteren Zeitpunkt teurer Verkauft (oder andersherum). Den Trader oder auch Spekulant genannt, gibt es schon sehr lange. Genau aus diesem Grund konnte sich auch bereits eine Historie an überliefertem Wissen aufbauen, welches bis heute bestand hat. Die Märkte haben sich im Großen und Ganzen bis heute nicht geändert, deshalb ist dieses Wissen auch heute noch auf die Märkte anwendbar. Erfahrene Trader geben dieses Wissen von einer Trader-Generation an die nächste weiter, genauso wie es Handwerker tun. Bei der Überlieferung (durch Bücher, Seminare, Webinare, Erzählungen) wird dieses Wissen auch immer ein kleines bisschen an die heutige Zeit angepasst.

Trading wird in manchen Büros der Hedge-Funds „erforscht“.

Im Laufe der gesellschaftlichen Entwicklung der letzten Jahrzehnte erhielt auch die Wissenschaft Einzug in das Trading. Heute werden die größten Theorien über Trading-Systeme, -Nischen und Algorhytmen entwickelt, die auch zur Anwendung kommen. Trading wird in manchen Büros der Hedge-Funds „erforscht“. Doch, wie wir auch schon gesehen haben, sind die Ergebnisse manchmal nicht robust genug, um über lange Zeit am Markt zu überleben (s. LTM-Pleite).

Neben dem Handwerk und der Wissenschaft, gibt es auch die Trading-Kunst. Diese reicht von der Elliot-Wellen-Theorie über Fibonacci bis hin zur Mondphasen-Kunde. Vielleicht kann man es nicht als Kunst im bildlichen Sinn verstehen, aber es ist eine Kunst, damit umzugehen und daraus Profit zu machen. Die Charts sehen zumindest oft sehr künstlerisch aus …

Es ist die praktische Anwendung der Gedanken, die diese drei Trader-Richtungen verbindet.

Doch was haben diese drei Richtungen im Trading gemeinsam? Sie entstehen aus Versuch-und-Irrtum! Es sind Menschen, die tagelang und wochenlang an ihren Schreibtischen sitzen und an Trading-Konzepten arbeiten, sie am Markt ausprobieren, verwerfen, verbessern oder anwenden. Man kann es mit dem Tüftler vergleichen, der ein Problem lösen will und alles daran setzt, seiner Lösung näher zu kommen. Vielleicht klappt es, nach mehr als tausend Versuchen – vielleicht funktioniert es nie! Es ist die praktische Anwendung der Gedanken, die diese drei Trader-Richtungen verbindet. Trader sind Praktiker!

Doch es gibt auch (wie immer) eine Gegenseite. Trading kann auch theoretisiert werden. Natürlich gibt es den Menschen, der unter Trading nur Backtesting versteht, Systemoptimierung oder alle Chartformationen aus dem Lexikon auswendig kennt. Doch im engeren Sinne ist diese Person kein Trader, den es fehlt ein wesentlicher Punkt: Das Trading! Nur durch die reale Marktteilnahme, kann man Lernen. Durch jeden Fehler, Verlust, Gewinn, nicht wahrgenommene Chance, gewinnt man an Wissen hinzu. Dieses fließt dann wieder ein in das eigene Tradingkonzept. Der „Tüftler“ wird wieder aktiv.

Schaut man sich die Geschichten der erfolgreichsten Trader der Welt an, wird man keinen darunter finden, der kein Praktiker ist. Theorie entsteht meist erst hinterher.

 

Gedanken: Die EZB „Bazooka“

Pille statt Selbstreparatur! Das passt in unsere Zeit. Wer will denn schon Nichtstun?
Lange tat sich die EZB damit schwer, den Geldhahn richtig weit aufzudrehen und direkt Staatsanleihen im großen Stil zu kaufen. Die Zeit ist nun vorbei! Die EZB braucht auch nicht mehr Wege und Mittel zu finden, um solche Pläne hinten rum doch zu machen und vorne rum nicht. Wenn das erste Mal rum ist, fällt das zweite Mal nicht mehr schwer.

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Für mich war es auch nur eine Frage der Zeit, bis die EZB die „Bazooka“ herausholt. Bisher haben ihre Interventionen in die Wirtschaft nicht so sichtbare Erfolge gehabt und dies ist nun das letzte Pulver, was verschossen werden kann. Die Amerikaner haben es bereits vor gemacht. Alle Welt fragt sich: Wo ist die EZB? Die können das doch auch, das wissen wir …

Wie verkauft man diese ganzen Anleihen nur wieder?

In dieser ganzen Orgie des Gelddruckens, groß einkaufen und Wirtschaft-Pushen frage ich mich nur: Wie verkauft man diese ganzen Anleihen nur wieder? Wer kauft, muss auch wieder verkaufen. Wenn nun also die nationalen Notenbanken ihren Staaten die Anleihen abkaufen dürfen (wofür übrigens am Ende der Steuerzahler haftet), müssen diese ja auch irgendwann wieder verkauft werden. Wer kauft denn gerne Anleihen, wenn die Zinsen künstlich nach unten gesenkt werden? Wo ist dieser Flohmarkt für Anleinen? Aber nun gut, dafür haben die Herren ja bestimmt einen Plan. Ich denke aber nicht, dass diese bis zur Fälligkeit gehalten werden, denn das könnte ja ein paar Jahre dauern … Obwohl … Guter Plan, müssen sich die Nachfolger drum kümmern.

Immer wieder, wenn ich in den Medien höre oder lese, dass wir die „Krise“ überstanden haben, kann ich nur Schmunzeln. Welche Krise eigentlich? Krise ist ein regelmäßiges Phänomen, welches eine natürliche Eigenschaft unseres Wirtschaftssystems ist und sozusagen als „Entschlackungskur“ dazugehört. Doch heutzutage läuft alles ja anders. Wie eine Erkältung mit Antibiotika aufgehalten wird, wird auch eine lahmende Wirtschaft mit einer „Pille“ wieder kuriert. Das es dem Patienten danach oft gar nicht besser geht, wird die nächste Pille schon wieder verhindern. Wie wäre es mal mit ein paar Änderungen im Lebensablauf, lieber europäischer Staat? So etwas nennt man Reform. Doch, wenn der Glaube an die Pille größer ist, als an die Reform, dann macht eine Reform auch nicht mehr so viel Spaß. Eine Pille ist schnell und wirkt (kurzzeitig) und passt einfach in die heutige Zeit. Es gibt sie für alles: Die Pille davor, die Pille zwischendurch und auch danach.

Wer nichts tut, der tut ja auch nichts. Und da könnte man ja auch den Eindruck erhalten, dass nichts getan wird.

Ich habe gar keinen großen Zweifel daran, dass die EZB Intervention etwas bewirken wird. Das wird sie irgendwie bestimmt. Aber oft sind die Kopfschmerzen nach einem Rausch viel schlimmer als einfach mal eine zeitlang nichts zu tun und sich die Systeme selbst entwickeln zu lassen. Also das Nichtstun! Doch, dass passt auch nicht in unserer heutige Zeit. Wer nichts tut, der tut ja auch nichts. Und da könnte man ja auch den Eindruck erhalten, dass nichts getan wird. Das wäre ja schlimm.

Und wer denkt an die armen Sparer und Touristen? Ist der EZB eigentlich klar, dass die Sparer so mickrige Zinsen bekommen und der Tourist im Ausland für seine Currywurst bald noch viel mehr Zahlen muss? Aber die Politik hatte hier ja auch einen guten Vorschlag gemacht: Die Banken sollen freiwillig mehr Zinsen zahlen; als Wiedergutmachung für die Krise. Zudem ist es zu Hause ja auch sehr schön oder man fährt in ein Land, welches noch billiger ist. Es finden sich immer Länder, bei denen die Währung noch schlechter da steht als unsere. Simbabwe?

Und was wäre schlimmer, als sich selber überflüssig zu machen und die Notwendigkeit zu akzeptieren, dass es Krisen gibt?

Nun wirkt das alles hier schon wieder so negativ. Die Herren geben sich doch Mühe … Ja, dass ist mir bewusst und ich glaube auch daran, dass jeder SEIN Bestes gibt. Halt alles im Rahmen des eigenen Wissens, Sehens, Hörens und Dunstkreis. Doch manchmal lohnt es sich über den Tellerrand zu schauen und weiter zu denken. Doch das müssen die Herren gar nicht. So wie die Politiker alle paar Jahre wechseln, wechseln auch die Notenbanker. Und was wäre schlimmer, als sich selber überflüssig zu machen und die Notwendigkeit zu akzeptieren, dass es Krisen gibt? Und das Beste: Bisher ist jede Krise überstanden worden. Ob mit Intervention oder ohne. Anscheinend haben die Systeme einen Selbstreparaturmechanismus. Dieser passt natürlich nicht in die heutige Zeit und es ist viel anstrengender Rahmenbedingungen zu schaffen, um diese Selbstreparatur zu unterstützen, da wirft man lieber mal ne Pille ein.

 

Gedanken: Stabile komplexe Systeme

Komplexe Systeme lassen sich nicht künstlich stabilisieren. Wann hören die Notenbanker endlich mit diesem Denken auf?
Im Artikel zum Absturz des CHF gegenüber dem EUR habe ich es schon angedeutet: Schuld sind nicht irgendwelche Händler oder Betrüger, sondern die Hirngespinste der Notenbanker, komplexe Systeme zu stabilisieren. Die Notwendigkeit solch einer Stabilisierung möchte ich gar nicht in Frage stellen und kann sie auch nicht beantworten. Es ist die Denkweise und Wahrnehmung, die solche Ereignisse wahrscheinlich macht.

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Märkte leben von einem gewissen Chaos oder auch Volatilität. Nassim Nicholas Taleb hat sich ausführlich mit dieser Thematik beschäftigt und in zahlreichen Büchern veröffentlicht. Es ist notwendig, dass Märkte sich frei bewegen können, damit die Marktteilnehmern ihren Ansichten freien Lauf lassen können. Jeder Eingriff oder die Stabilisierung eines solch komplexen Systems erzeugt nur größere Volatilität, wenn ein unvorhergesehenes Ereignis eintrifft.

Die meisten Marktteilnehmer gewöhnen sich an die Stabilität, die künstlich in dem Markt erzeugt wurde.

Warum ist das so? Die meisten Marktteilnehmer gewöhnen sich an die Stabilität, die künstlich in dem Markt erzeugt wurde. Sie gehen unterbewusst davon aus, dass sich die Zukunft aus der Vergangenheit ergibt und sich linear fortschreiben lässt. Was heute, gestern und letzte Woche so war, wird auch morgen sein. Die Möglichkeit eines Wechsels der vorherrschenden Verhältnisse wird gar nicht betrachtet. Tritt das Ereignis ein, verfallen die Marktteilnehmer in Panik und strömen alle gleichzeitig zu den Ausgängen. Sie sind enttäuscht über ihre eigene implizite Annahme und ggf. mit Verlusten konfrontiert. Ließe man dem Markt freien Lauf, würde sich dieses Denken erst gar nicht entwickeln, sondern eine gewisse Volatilität wäre alltäglich. Aber es gibt natürlich immer zwei Seiten: Wer dieses Verhalten beobachtet und davon weiß, der kann davon profitieren. Wer die menschlichen Emotionen in einem Markt herauslesen oder in einem Trading-System abbildet kann, rechnet mit solchen Ereignissen und profitiert davon.

Es gibt weder ein Richtig noch ein Falsch zur Zeit eines Handelsgeschäft, da die Zukunft nicht bekannt ist.

Neben den Marktteilnehmern, die diese Ereignisse nicht erwarten, sind es die Notenbänker, die glauben „Märkte müssen kontrolliert werden“. Märkte und der Handel an der Börse ist ein komplexes System, in dem unzählige Teilnehmer miteinander Geschäfte eingehen und jeder der Teilnehmer eines Geschäfts eine Gegenteilige Meinung besitzt. Es gibt weder ein Richtig noch ein Falsch zur Zeit eines Handelsgeschäft, da die Zukunft nicht bekannt ist. Die Grundlage der Märkte ist also, dass eine Seite immer falsch liegt und sich eine bestimmte Richtung durch viele falsche Geschäfte herausbildet. Also dadurch, dass viele Marktteilnehmer verlieren ergibt sich ein Trend in den Märkten in dem die Gewinner übrig bleiben.

Notenbanker gehen jedoch mit einer anderen Sicht an die Märkte heran. Sie wollen keine Volatilität und damit zu große Trends in die eine als auch in die andere Richtung. Es geht ihnen um eine Stabilität der Währung und setzen somit Rahmenbedingungen, was nach ihrer Meinung richtig oder falsch ist. Sie glauben daran, dass sich die Meinung vieler durch wenige kontrollieren lassen. Genau hier liegt der Irrtum. Die Masse wird am Ende recht behalten, da die wenigen, die Meinungen kontrollieren, über einen langen Zeitraum nicht die Kraft haben, die Massen „zu unterdrücken“. Es ist der Irrtum, dass sich komplexe Systeme beherrschen lassen. Das gilt in Wirtschaft, Gesellschaft, Natur und unzähligen weiteren Gebieten.

Akademiker untersuchen Vergangenheit und führen Gedankenexperimente durch, jedoch betrachten sie oft nicht die Praxis.

Viele Forscher beschäftigen sich mit der Thematik der Beherrschbarkeit. Wie können wir die Natur beherrschen? Wie können wir die Gesellschaft stabilisieren? Wie kann der Mais-Preis stabil gehalten werden? Die Forscher sind Berater der Politik und Manager und diese stützen sich auf die Untersuchungen der Forscher. Was dabei außen vor gelassen wird ist die Praxis. Akademiker untersuchen Vergangenheit und führen Gedankenexperimente durch, jedoch betrachten sie oft nicht die Praxis. In einem kontrollierten Experiment wird sich ein Vulkan sicherlich stabilisieren lassen. Doch alleine schon die Konstruktion des Experiments bestimmt das Ergebnis. Die Parameter, die für ein Vulkanexperiment festgelegt werden, bestimmen am Ende den Ausgang. Der Faktor Zufall oder extremere Ereignisse als in der Vergangenheit wird außen vor gelassen. Wer kann auch schon damit rechnen, dass dieser Vulkanausbruch diesmal extremer wird?

Es wäre auch überhaupt nicht schlimm, dass Notenbanker diese Fehler machen, wenn sie daraus lernen würden. Doch die letzten Jahrzehnte haben gezeigt, dass sie es nicht tun. Somit wird auch in Zukunft immer wieder zu erwarten sein, dass seltene Ereignisse „unvorhergesehen“ eintreten. Wem jedoch diese Problematik bewusst ist, kann den Faktor Zufall und extreme Ereignisse in sein Leben und Trading integrieren und somit sein Trading-System „Antifragilität“ verleihen.

 

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