Buch: Die Herren des Geldes von Liaquat Ahamed

Spannend, wirklich spannend! Ich nehme das Fazit dieses Buches „Die Herren des Geldes*“ gleich vorweg. Es ist eines der interessantesten Bücher, die ich in der letzten Zeit zum Thema Finanzen und Wirtschaft gelesen habe. Auch wenn dieses Buch sich um 4 Bankiers aus der Zeit um 1920 dreht, ist es top aktuell. Wer etwas über Krisen, Inflationen und Notenbanken lernen möchte, der ist mit dem Buch „Die Herren des Geldes*“ sehr gut bedient. Die Übersetzung und der Schreibstil sind gut und spannend, so dass einem nicht langweilig wird. Natürlich ist dieses Buch, wie so viele andere in dem Genre, ein wenig zu detailreich, aber bei den Passagen kann man einfach ein wenig schneller lesen.

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Inhaltlich dreht sich das Buch „Die Herren des Geldes*“ um die 4 bedeutesten Notenbanker aus der damaligen Zeit: Strong, Norman, Schacht und Moreau. Doch es dreht sich nicht ausschließlich um die Politik der Institutionen, sondern auch um die Persönlichkeiten. Dieses macht das Buch zusätzlich wertvoll, da man einiges über die damalige Zeit mitbekommt. Man erhascht einen Einblick in die Persönlichkeit der Zeit und auch in die politischen Verstrickungen und Machenschaften. Dieses Geschehen spielt in einer Zeit des Umbruchs. Revolutionen und Kriege kommen und gehen, die Wirtschaft hat es schwer und die Währungen werden immer wieder auf den Kopf gestellt. Die einzelnen Menschen stehen zwischen Festhalten an der Vergangenheit und die Einführung neuer Systeme mit nicht bekannten Folgen. Die Abschaffung und phasenweise Wiedereinführung des Goldstandards ist ein zentraler Bestandteil des Buches, welches auch die verschiedenen Seiten dieser Methode der Regulierung der Währungen beleuchtet.

Das interessanteste jedoch an „Die Herren des Geldes*“ ist, dass das damalige Geschehen heute wieder aktuell ist. Es sind die gleichen oder sehr ähnliche Probleme, die uns heute beschäftigen. Dies zeigt uns, dass die Menschen nur schwer und mit vielen Anläufen aus der Vergangenheit lernen. Die Entwicklung ist halt nicht per Knopfdruck zu erreichen. Der Mensch und die Menschheit lernt durch Versuch und Irrtum. Doch Versuch und Irrtum benötigt ebenfalls viele Anläufe, bis hieraus ein Lernerfolg und das Verhalten angepasst wird. Welcher Trader kennt das nicht?

Fazit: Wer mehr über Krise, Inflation, Goldstandard und Notenbanken lernen möchte und dies auch noch in einem angenehmen Zusammenhang, ist mit dem Buch gut bedient. Eines der Besten, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Top!

Die Herren des Geldes: Wie vier Bankiers die Weltwirtschaftskrise auslösten und die Welt in den Bankrott trieben
Mehr Informationen zum Buch:

Die Herren des Geldes: Wie vier Bankiers die Weltwirtschaftskrise auslösten und die Welt in den Bankrott trieben*

von Liaquat Ahamed

Detailliert zeichnet Ahamed nach, wie Notenbanker Millionen von Menschen ins Verderben stürzen, wenn sie danebenliegen. Hier zeigt sich bereits eine Analogie zur heutigen Situation, denn die Fachwelt diskutiert, ob durch die weltweite Öffnung der Geldschleusen nicht bereits der Grundstein für die nächste Krise gelegt wird. Der Reiz des Buches liegt darin, dass Ahamed nicht einfach die Entstehung der Weltwirtschaftkrise 1929 beschreibt, sondern dies anhand der Persönlichkeiten von vier Notenbankern tut, die alle auf ihre Weise hochspannende Figuren waren und die Geldpolitik bis heute prägen. Ahameds Thesen sind provokativ und haben in den USA großes Aufsehen erregt. Im Kern sagen sie, dass sich Notenbanker nicht zu dogmatisch an einem Ziel festklammern sollten. Damit greift Ahamed indirekt heutige Geldpolitiker an, die unter allen Umständen die Inflation kontrollieren wollen, besonders in Europa. Ausgezeichnet mit dem Pulitzerpreis 2010!

Buch: Nassim Taleb – Narren des Zufalls: Die verborgene Rolle des Glücks an den Finanzmärkten und im Rest des Lebens

Dieses Buch habe ich mir vor einiger Zeit gewünscht und als Geschenk bekommen. Ich fand den Titel um einiges spannender als das „Pop-Buch“ von ihm: „Der schwarze Schwan*“. Taleb ist Forscher und beschäftigt sich mit Statistik, Mathematik und Zufall. Das Buch habe ich mir aus meinem Regal gegriffen, weil ich zuvor das recht kurze Buch „Die Berechnung des Glücks*“ von Devlin und Heinemann gelesen habe. Dieses spannende aber recht kurze Buch beschäftigt sich mit der Geschichte der Berechnung von Wahrscheinlichkeiten. Somit dachte ich mir, dass das Buch von Taleb darauf aufsetzen könnte, weil ich mehr über das Thema wissen wollte. Ich lag damit auch richtig …

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Das Buch von Taleb versucht einem ein Verständnis zu vermitteln, welche Rolle der Zufall und die Wahrscheinlichkeit in unserem Leben spielt. Da ich selbst großer Anhänger dieses Denkens bin, bin ich in meinem Denken nur bestätigt worden. Im Buch wird immer wieder versucht mit Beispielen, die sich an die Finanz- und Tradingwelt anlehnen, darauf einzugehen und somit kann man gut die Denkweise nachvollziehen. Die Sprache, die Taleb nutzt, ist allerdings gewöhnungsbedürftig. Vielleicht liegt es aber auch an der Übersetzung. Oft klingt es ein wenig „pseudo-intellektuell“. Man hat das Gefühl, dass möglichst viele Fremdworte verwendet werden sollten. Naja – verstehen konnte man es mit einigen zugekniffenen Ohren aber schon.

Warum finde ich das Buch wertvoll, vor allem für Trader? Die Börse und Finanzwelt besteht, so wie die reale Welt, aus Wahrscheinlichkeiten und ungewissen Zuständen. Ob ein Kurs morgen steigt oder in der nächsten Sekunde fällt, ist nicht klar und ungewiss. Die Entscheidungen und Folgen sind Abhängig von den Entscheidungen der Marktteilnehmer. Tiefer betrachtet  natürlich von deren Gefühlen, Handelssystemen und anderen Entscheidungsgrundlagen. Diese sind mir jedoch verborgen. Das einzige was ich definitiv weiß, sind Preis, Volumen und ob ein Wert gestiegen ist oder nicht. Zusätzlich kann ich aus der Vergangenheit der Kurse ableiten, ob z.B. eine Aktie eher über längere Sicht steigt oder fällt und ob sie sich im Rahmen der Vergangenheit normal oder außergewöhnlich verhält (also z.B. starke Kursbewegungen oder nicht). Nehme ich mehrere Faktoren zusammen, kann ich hieraus eine Wahrscheinlichkeit ableiten, ob es besser ist sich long oder short zu positionieren. Mehr nicht! Trades werden also nur eingegangen, wenn die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass die Aktie in die von mir präferierte Richtung läuft. Sich z.B. stark gegen den Markttrend zu positionieren wäre demnach nicht erlaubt. Aber wie wir wissen ist die berechnete Wahrscheinlichkeit keine Gegebenheit und somit gibt es auch Marktteilnehmer, die sich bewusst gegen den Trend stellen und ebenfalls hiermit Geld verdienen.

Die oben beschriebenen Gedanken vertritt Taleb in einer erweiterten Weise. Der Grundgedanke des Buches dreht sich aber um Risiko. Da der Autor (wie ich auch) davon ausgehen, dass ungewisse Ereignisse jederzeit eintreten können, ist es sinnvoll sein Risiko zu managen. D.h. Stop-Kurse und Positionsgrößenkontrolle bei Trades. Wie viel habe ich am Markt investiert und was würde passieren, wenn der Markt morgen 10% tiefer eröffnet, weil eine Atombombe in den USA explodiert ist? Wie viel würde ich dann verlieren? Es geht weniger um die Berechnung als viel mehr um die Kontrolle des Risikos soweit dies möglich ist. Konkrete Tipps gibt es von Taleb nicht, denn das Buch ist eher ein philosophisches als ein Trading-Buch. Doch die Gedanken von Taleb sind wertvoll und können jedem Trader helfen. Es ist halt ein anderes Buch als ein klassisches Trading-Buch.

Zudem finde ich den Gedanken der ungewissen Ereignisse zudem Wertvoll. Ein ungewisses Ereignis wäre ein Ereignis, mit dem die Marktteilnehmer nicht gerechnet haben und panisch oder euphorisch regaieren (z.B. Lehman-Brothers Zusammenbruch oder ein Unternehmen meldet grandiose Zahlen). Diese Bewegungen sind es, die Taleb versucht zu handeln. Also wo Euphorie oder Panik die Kurse massiv bewegen. Es lohnt sich auf diese Ereignisse zu warten und den Einstieg richtig zu Timen. Letztendlich ist es aber genau das, was Momentum-Trader tun. Starke Kursbewegungen kaufen oder verkaufen und höher/tiefer glattstellen. Auch als technischer Trader wie ich lässt sich dieses ohne Hintergrundinformationen (fundamentale Daten) machen. Es sind große Ausbrüche oder Rebounds, die starke Bewegungen darstellen. Evtl. sogar gegen den Trend.

Auch geht Taleb auf den Zufall im Leben ein. Beispielsweise beschreibt er den Unterschied von Trader und deren Persönlichkeit. Nur weil ein Trader (oder ein Fond wo er arbeitet) momentan viel Geld verdient ist es kein Garant für die Zukunft. Es kann schlichtweg Zufall sein, dass seine Strategie gerade jetzt zu der Marktsituation passt, aber in Zukunft nicht mehr. Diese Aspekte werden gerade in de technischen Tradingwelt oft vernachlässigt. Möglichst viele Indikatoren oder komplexe System sind genau der falsche Weg. Einfachheit erhöht die Chance, dass das Handelssystem eben nicht nur aus Zufall gute Ergebnisse erzeugt. Wer sich ein wenig mit Backtesting und vollautomatischen Tradingsystemen beschäftig hat, weiß dies und kann die Gedanken nachvollziehen. Die Performance eines Händlers sagt nichts über die zukünftige Performance aus. Ob der Trader morgen noch Gewinne produziert, kann niemand sagen. Aber auch hier gilt wieder: Das was ich beeinflussen kann ist, ob ich morgen noch in der Lage bin zu handeln. Also ob ich große Risiken eingehe, bei denen ich bei einem ungewissen Ereignis oder einer Veränderung am Markt vom Markt weggefegt werden oder ob ich eher konservativer auf längere Sicht handele. Je weniger Paramter an einem System beeinflusst werden können, desto stabiler ist es, weil das System nicht an den Markt zu fein angepasst ist. Deshalb spielt es z.B. keine Rolle ob ich einen 10er oder 11er gleitenden Durchschnitt verwenden oder einen RSI mit 14 oder 16 Perioden. Es zählt nur, dass ich darauf die Information ziehe, die ich benötige. Die Parameter kann ich grob auf meine Bedürfnisse einstellen.

Ich finde das Buch von Taleb wertvoll. Es ist keine Anleitung zum Traden oder enthält Tipps. Letztendlich steht in den meisten Trading-Büchern sowieso das gleiche. Es hilft aber seine Trading-Philosophie und Einstellung weiterzuentwickeln und schärft das Bewusstsein für Risiko, Wahrscheinlichkeit und Zufall von dem wir an den Börsen abhängig sind. Denn eines wissen wir mit Sicherheit: Das wir nichts über die Zukunft wissen. Mit einer richtigen Risikokontrolle und risikobewusstem Denken können wir uns vor der Zukunft und ungewissen Ereignissen schützen.

Mehr Informationen zum Buch:

Narren des Zufalls: Die unterschätzte Rolle des Zufalls in unserem Leben*

von Nassim Nicholas Taleb

Glück oder Zufall sind viel bestimmender in unserem Leben, als wir denken. Wir neigen dazu, unser Glück auf unsere eigenen Fähigkeiten zurückzuführen, den Zufall halten wir für unsere Bestimmung. Nassim Nicholas Taleb, renommierter Statistiker und Erfolgsautor des Bestsellers »Der schwarze Schwan«, entlarvt unsere menschliche Schwäche, dort Zusammenhänge zu suchen, wo keine sind.

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