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Gedanken: Mindestlohn? Wer denkt an diejenigen, die aktuell mehr verdienen?

Der Konsument bestimmt den Preis einer Ware und nicht der Produzent.
Gestern beschloss der deutsche Bundestag die Einführung von Mindestlöhnen, jedoch mit einigen Ausnahmen. Das Thema wird bereits sein Jahren diskutiert und nun wird es zur Realität.

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Sind Mindestöhne fair? In verschiedensten Befragungen spricht sich eine Mehrheit der Deutschen für einen Mindestlohn aus. Doch ich bezweifle stark, dass sie die Auswirkungen dessen verstehen. Aktuell kann jeder für einen höheren Lohn sorgen, in dem er bereit ist für eine Leistung mehr zu bezahlen. Schließlich orientieren sich Preise und Löhne an Angebot und Nachfrage. Ich find es nicht richtig einen Unternehmer als unfair darzustellen, wenn er eine Leistung oder ein Produkt zu einem sehr niedrigen Preis anbietet und dessen Angestellte entsprechend des niedrigen Preises bezahlt werden. Der Konsument bestimmt den Preis einer Ware und nicht umgekehrt.

Ein einfacher Vergleich zweier Dienstleister …

Ich finde das Beispiel Frisör auch nicht immer sehr gut, aber es ist relativ einfach zu erklären.

  • Frisör A: Ein Männerhaarschnitt kostet 10 EUR. Dafür braucht ein Angestellter ca. 15 Minuten, d.h. 4 Kunden pro Stunde. Umsatz = 40 EUR pro Stunde. Nun muss man von diesen 40 EUR alle Kosten abziehen, die entstehen: Miete, Strom, Wasser, Steuern, Gas, Lohnnebenkosten, Geräte, Versicherung usw. Am Ende bleibt nur ein Bruchteil des Umsatzes übrig, sagen wir mal 10 EUR. Von diesem Restbetrag muss der Lohn gezahlt werden und zusätzlich ein Gewinn für das Geschäft. Der Gewinn ist nötig, damit das Geschäft Rücklagen bilden kann und der Unternehmer einen Lohn erhält. Problem: Wenn sich der Lohn weiter erhöht, schmälert sich der Gewinn, da die Kosten gleich bleiben. Das kann dazu führen, dass ein Unternehmen nicht mehr wirtschaftlich genug arbeitet. Alternative: Preise erhöhen oder Kosten senken.
  • Frisör B: Hier kostet ein Männerhaarschnitt 26 EUR. Dafür benötigt ein Angestellter ca. 20 Minuten, d.h. 3 Kunden pro Stunde. Umsatz = 78 EUR pro Stunde. Warum kann Frisör B einen höheren Preis verlangen? Weil er einen Mehrwert gegenüber Frisör A anbietet, z.B. Beratung oder höhere Qualität beim Schneiden. Es gibt Kunden, die bereit sind, mehr für diese Leistung im Vergleich zu Frisör A zu bezahlen. Ziehen wir wieder fiktive Kosten vom Umsatz ab, erhalten wir z.B. 19,50 EUR. Setzen wir wieder 50% als Gewinn an, bleibt noch 10 EUR für den Lohn übrig. Problem: Mit Einführung des Mindestlohns kann es dazu kommen, dass Frisör B nur noch den Mindestlohn an die Angestellten zahlt. Die Politik legitimiert dies. Für Frisör B würde der Gewinn steigen. Alternative: Preise senken. Doch das dürfte nicht relevant sein.

Mit dem Mindestlohn greift der Staat in das sensible Verhältnis von Angebot und Nachfrage ein. Er korrigiert hart die beiden Seiten und versucht ein neues Gleichgewicht zu schaffen. Ich bezweifle nicht, dass dies gelingen wird, doch zu welchem Preis? Märkte benötigen länger, um ein neues abgestimmtes Verhältnis der beiden Seiten zu erreichen. Hier gibt es Chancen für neue Geschäftsmodelle und gleichzeitig das Aussterben von Betrieben, die sich nicht anpassen können. Dies ist ebenfalls ein natürlicher Prozess und auch sinnvoll.

Doch ich habe das Gefühl, dass sich niemand Gedanken darüber macht, dass letztendlich der Konsument am Markt entscheidet und nicht die Politik! Wenn du heute willst, dass dein Frisör mehr verdient, bezahl mehr. Gehe zu einem Frisör, der einen Mehrwert anbietet, kaufe nicht im Discounter oder in einem billigen Kleidungskaufhaus, geh in einen Discount-Frisör und gebe Trinkgeld … Dies sind alles Möglichkeiten, die uns heute schon zur Verfügung stehen.

Das eigentliche Problem ist, dass es eine hohe Nachfrage nach billigen Leistungen gibt.

Das eigentliche Problem ist, dass es eine hohe Nachfrage nach billigen Leistungen gibt. Jeder Mensch will weniger für etwas ausgeben und das ihm zur Verfügung stehende Geld anderweitig einsetzen. „Frisör darf nichts kosten, aber ich bezahle 50 EUR monatlich für mein Handy“. So ist heut zu Tage die Verteilung.

Wo es viel Wettbewerb, neue Verfahren und Angebot gibt, fallen die Gewinne und damit die Preise, bis jemand eine neue Geschäftsidee mit einem Vorsprung gegenüber dem Wettbewerb hervorbringt. Wer weiß, vielleicht gibt es morgen eine neue Geschäftsidee in der Frisörbranche? Dann steigen auch wieder die Löhne, da möglicherweise neue Qualifikationen benötigt werden. Dasselbe gilt auch für den Arbeitsmarkt: Wo es viel Angebot an Arbeitskraft gibt, fallen die Preise. Ein Ausweg: Andere oder zusätzliche Qualifikation.

Es wurde von der Politik ein neuer Preis diktiert, wie viel die Leistung mindestens Wert ist. Somit dient dieser Preis als Ankerpunkt.

Neben der ganzen Diskussion über Mindestlohn sollte man sich auch Fragen, ob man nicht parallel einen Maximallohn installiert. Der Gedanke ist sehr einfach: Wie oben beschrieben, muss Frisör B auf einmal nur noch den Mindestlohn zahlen. Es wurde von der Politik ein neuer Preis diktiert, wie viel die Leistung mindestens Wert ist. Somit dient dieser Preis als Ankerpunkt. In Branchen, die vorher niedrige Löhne gezahlt haben, können sich Angestellte den Arbeitgeber oft nicht aussuchen, sondern müssen dort anheuern, wo ein Job frei ist. Das schafft zusätzlich Druck. Aus welchem Grund sollte Frisör B viel mehr als den Mindestlohn zahlen, der doch von der Politik als fair betrachtet wird? Somit werden, zumindest neue Angestellte, eher den Mindestlohn erhalten anstatt einen individuell ausgehandelten.

Die Frage um den Maximallohn muss man statistisch betrachten. Wie viele Angestellte werden auf den Mindestlohn gehoben und wie viele werden auf diesen gesenkt? Hieraus ergibt sich dann der tatsächlich gesellschaftliche Gewinn des Mindestlohns. Wenn es mehr Angestellte gibt, die heute weniger als den Mindestlohn verdienen und es gleichzeitig weniger Angestellt gibt, die deutlich mehr verdienen, kann sich die Umstellung auf Mindestlohn lohnen. Es geht schließlich nicht um Fairness, sondern um eine wirtschaftliche Betrachtung. Darunter natürlich auch die Kaufkraft dieser Gruppen.

Das führt automatisch zu Preiserhöhungen für Produkte und Dienstleistungen, die von dieser Gruppe gekauft werden.

Machen wir uns aber nicht vor. Die neuen Mindestlohnempfänger erhalten zwar mehr Kaufkraft, aber der Zugewinn wird in steigenden Preisen wieder abgenommen. Hat eine Gruppe mehr Geld zur Verfügung, gibt es mehr zu verdienen. Das führt automatisch zu Preiserhöhungen für Produkte und Dienstleistungen, die von dieser Gruppe gekauft werden. Einfaches Beispiel: Ein Angestellter mit Mindestlohn muss eine Wohnung mieten. Der Vermieter kann nur so viel verlangen wie der Mieter zahlen kann. Da er nun mehr Geld zur Verfügung hat, kann der Vermieter mehr fordern. Das darf man natürlich nicht auf den Einzelfall reduzieren, sondern auf die gesamte Gruppe der Mindestlohnempfänger. Der einzige der davon profitiert ist der Staat, denn er erhält höhere Steuereinkünfte durch höhere Umsätze und Gehälter.

Wie kann ein Fazit lauten? Wir wissen nicht, wie sich der Arbeits-, Waren- und Dienstleistungsmarkt an die neuen Gegebenheiten anpassen wird. Doch eines ist klar: Es kommt zu Verschiebungen. Diejenigen die heute weniger verdienen, werden in Zukunft mehr verdienen, diejenigen die heute mehr verdienen, werden in Zukunft weniger verdienen. Das wiederum drückt sich in ihrer Kaufkraft und -bereitschaft aus, was wiederum Einfluss auf die Preise hat. Märkte sind sehr komplexe Systeme und sehr sensibel. Keine Frage, sie werden ein neues Gleichgewicht schaffen. Die Frage ist nur, ob dieses vorteilhafter ist als das alte? Wer weiß, vielleicht erweist sich der Mindestlohn mal wieder als Wählerfänger. Eines ist jedoch gewiss: Der normale Wähler versteht die Komplexität sowieso nicht.

 

  • Laura

    Viele sehen in erster Linie natürlich nur das, was die Mindestlöhne für Niedrigverdiener mit sich bringt, was ja auch erst einmal völlig in Ordnung ist, denn diese haben letzteldich auch ein Recht auf höhere Löhne, dennoch steckt einiges mehr dahinter, was dieser Artikel wirklich sehr gut zum Ausdruck bringt. Dies sollte man sich in Ruhe einmal durchlesen, um auch einmal die andere Seite des ganzen zu sehen

    • Julian Komar

      Danke Laura! Leider musste ich deinen Link entfernen, weil mir nicht klar war, dass dieser mit deinem Kommentar zu tun hat.

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