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Tradingsystem: Kurzfristige Trendfolge vs. langfristige Trendfolge

Jeder Zeithorizont hat Vor- und Nachteile. Entscheidend ist vielmehr mit welchem System ist man kompatibel?
Wie ihr ja bereits im meinem Urlaubsbericht lesen konntet, habe ich mich viel mit Dan Zanger beschäftigt. Dan Zanger handelt Aktien, die sich schnell und unter großem Volumen bewegen, sog. Momentum-Aktien.

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Jedes Mal, wenn man sich die Charts von großen Momentum-Aktien anschaut, bekommt man fast eine Gänsehaut. Aktien, die hunderte oder sogar tausende Prozent innerhalb eines Jahres zulegen. Im Nachhinein kann man sich schon fast ärgern, dass man dort keine Position eröffnet hat. Doch in diesem Moment vergisst man, dass auch bei diesen Aktien die Wahrscheinlichkeit zum damaligen Zeitpunkt zählt. Hätte man genau diese Aktie damals gehandelt? Wie viele Kandidaten, die man nicht betrachtet hat, sind mit den selben Merkmalen gescheitert?

Je weiter der Stop-Loss entfernt ist, desto kleiner wird die Position und desto größer sind die Gewinne, die zurückgegeben werden.

Trotz dessen sind die Bewegungen faszinierend und ich frage mich, wie man solche Aktien traden müsste. Schon die ersten Versuche mit Donchian-Kanälen oder einem Super-Trend-Indikator sind vielversprechend. Doch leider ist nicht alles, was auf den ersten Blick toll aussieht auch wirklich profitabel und gut. Momentum-Aktien weisen oft stärkere Konsolidierungen/Rücksetzer auf, d.h. man müsste mit einem sehr weiten Trailingstop arbeiten, um den größten Teil der Bewegung mitzunehmen. Je weiter der Stop-Loss entfernt ist, desto kleiner wird die Position und desto größer sind die Gewinne, die zurückgegeben werden. Dies ist bei kurzfristige Trendfolge nicht so. In diesem Zusammenhang muss man sich auch fragen, ob man mit solch einem System kompatibel ist.

Kurzfristige Trendfolge vs. langfristige Trendfolge

Kurzfristige Trendfolge heißt für mich eine Haltedauer von Wochen bis hin zu wenigen Monaten, langfristig heißt mehrere Monate bis sogar Jahre.

Kurzfristige Trendfolge

  • (+) Profitieren von mittelfristigen Marktbewegungen, d.h. man antizipiert früh einen neuen Markttrend.
  • (+) Initialer Stop kann enger gesetzt werden und man erhält früh eine Rückmeldung, ob der Trade funktioniert oder nicht.
  • (+) Es gibt mehr Singale, so dass nicht monatelang auf neue Trades gewartet werden muss. Dies ist wichtig für die persönliche Kompatibilität mit dem System.
  • (+) Durch eine höhere Tradeanzahl profitiert man mehr vom Zinseszinseffekt. Gewinne werden häufiger reinvestiert.
  • (–) Durch den engeren Stop/Trailing-Stop nimmt man oft nicht die volle Bewegung mit, sondern wird bei kurzen Rücksetzern ausgestoppt.
  • (–) Man kann zu Overtrading neigen und zu viele Signale wahrnehmen. Klares Risikomanagement ist Pflicht!
  • (–) Es entstehen höhere Gebühren durch eine höhere Tradefrequenz.
  • (–) Man macht sich abhängiger vom kurzfristigen allgemeinen Marktrend.

Langfristige Trendfolge

  • (+) Man kann sehr große Bewegungen mitnehmen. Oft hunderte oder sogar tausend Prozent in Aktien.
  • (+) Der allgemeine Markttrend kann in einem gröberen Rahmen gesehen werden. Kurzfristige Schwankungen spielen nicht so eine große Rolle.
  • (+) Es gibt nur wenig Umschichtungen im Depot und man kann seine Aufgaben sogar am Wochenende erledigen.
  • (+) Pyramidisierung kann helfen, große Gewinner noch zu vergrößern.
  • (–) Bei Bärenmärkten lohnt sich Short-Trading oft nicht, da man hier nur max. 100% verdienen kann. D.h. man kann bis zu mehreren Jahren an der Seitenlinie stehen und auf einen neuen Bullenmarkt warten.
  • (–) Man darf sich nichts vormachen, auch bei langfristiger Trendfolge gibt es viele Fehlausbrüche oder -signale. Drawdowns spielen genauso eine Rolle.
  • (–) Bei einem größeren initialen Stop ist die Position kleiner. Beispiel: Bei einem initialen Stop von 10%, einem Einsatz von 1% auf das Kapital und einem Gewinn von 100% hat man trotzdem „nur“ eine Rendite von 10R erzielt. Diese Chance gibt es auch beim kurzfristigeren Trading.
  • (–) Aktien, die seitwärts laufen, werden bis zu einigen Monaten gehalten, bevor sie ausstoppen. Man investiert also in totes Kapital.

Wie man also sieht, hat jeder Stil natürlich Vor- und Nachteile. die Frage ist eher, welche Persönlichkeit ist man? Hält man z.B. die Nachteile der kurzfristigen Trendfolge aus oder ist sogar mit diesen mehr kompatibel als mit den Nachteilen des anderen Systems?

Generell ist es natürlich auch möglich mehrere Trendfolge-Systeme einzusetzen und mehrere Zeitrahmen (z.B. kurzfristige Trendfolge und weitere Zeitebenen) zu kombinieren. Dies hat sogar Vorteile und kann sich positiv auf die Equity-Kurve auswirken. Grundvoraussetzung wäre hierfür jedoch, dass man ein System erst einmal beherrscht. Zwei Systeme parallel zu handeln stelle ich mir jedenfalls schwieriger vor, da man mit beiden System kompatibel sein muss.

Lieber ein Profi in einem als ein Amateur in zwei Systemen.

Ich persönlich habe für mich beschlossen erst einmal ein System perfekt zu beherrschen und in diesem ein „Profi“ zu werden. Die kurzfristige Trendfolge ist mehr kompatibel mit mir als die langfristige, das habe ich mittlerweile gemerkt. Ein zweites System zu entwickeln und einzusetzen kann ich später immer noch. Lieber ein Profi in einem als ein Amateur in zwei Systemen.

 

© Copyright 2018 - Julian Komar - >500 Artikel im Trading Blog ★ Trading ✓ Trendfolge ✓ Trading System ✓ Tradingpsychologie ✓ Erfolg & Motivation ★ Trading Blog für Trader & Einsteiger
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