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Meinung: Die Preisexplosion bei Mais ist wichtig und richtig!

Betrachtet man aktuell die Schlagzeilen in den Medien, liest man von den explodierenden Rohstoffpreisen aufgrund akuter Dürre in der Ernte von Soft-Commodities. Ob dies wirklich der Fall ist, kann und will ich nicht beurteilen. Ich bin weder ein Agrar-Spezialist noch ein Fundamentalanalyst. Meine Spezialität ist die Überwachung des Preises der Vergangenheit, um hieraus Rückschlüsse auf evtl. Preisbewegungen in der Zukunft abzuleiten. Also die Beobachtung von Käufen/Verkäufen aufgrund von Interaktionen von Marktteilnehmern an den Börsen. Diese Vorgänge haben sich sicherlich beim Maispreis in den letzten 60 Jahren nicht geändert. Erwartungen der Teilnehmer, dass der Marktpreis für Mais steigt, führen und führten zu steigenden Kursen; Erwartungen an fallende Maispreise führten zu fallenden Kursen. Dies ist natürlich sehr einfach betrachtet, aber es ist der einzige Anhaltspunkt, den ich habe. War das Angebot höher als die Nachfrage, fällt der Preis. Ist die Nachfrage größer als das Angebot, steigt der Preis.

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Wie der Chart beim Maispreis zeigt, kommen diese übertriebenen Erwartungsverschiebungen regelmäßig vor. Die aktuelle Übertreibung ist nichts besonderes (wenn es überhaupt eine Übertreibung ist). Trotz der Steigerung von ca. 300% seit 1950 ist der Maispreis fast seitwärts gelaufen. Einzelne Übertreibungsphasen brachten eine Verdoppelung des Preises mit sich. Erst 2008 brach der Maispreis nach oben aus und konnte vom Tief ca. 200% zulegen. Danach brach der Maispreis 60% ein! Man sieht also wie stark der Maispreis schwankt und dabei leicht steigt. Dies mag sicherlich auf Verschiebungen der Nachfrage/des Angebotes zurückgehen (z.B. Bevölkerung, Viehzucht, Bio-Sprit), aber es spielt sich alles in normalen Bereich ab.

Ist diese Steigerung des Maispreises moralisch vertretbar? Hierüber kann und will ich nicht urteilen. Die Märkte sind nicht moralisch und es ist auch nicht deren Aufgabe. Genauso wenig wie die Preise auf einem Wochenmarkt moralisch sind, sind Preise an den Börsen moralisch. Die Wertung hierüber steht einem Börsenhändler nur im privaten Rahmen zu. Es ist mehr die mangelnde Planung und die große Nachfrage, die zu dieser Preisbewegung führte. Als der Maispreis 2010 sehr tief war, war zu wenig Mais verfügbar, um die Nachfrage auszugleichen. 2011 war die Nachfrage ausgeglichen, also fiel der Preis. Nun haben wir wieder ein tief der Nachfrage gesehen und sie beginnt wieder zu steigen. Letztendlich wird dies dazu führen, dass mehr Mais produziert wird und das Angebot gleicht die Nachfrage aus. Dies ist ein fairer und nützlicher Prozess. Alles andere würde zu Mangelwirtschaft und größeren Problemen führen.

Das erwartete Problem hungernder Menschen in der Welt ist nicht ein Problem des Maispreises, sondern ein Problem der lokalen Politik. Die Währungen dieser betroffenen Länder sind im Keller (Mais wird in USD gehandelt), die Volkswirtschaften funktionieren oft nicht und produzieren nichts, Rohstoffe müssen teuer importiert werden, die Politiker geben dem Volk keine Hilfe, es gibt keine Arbeit und keine Bildung. Ansonsten würden Ersatzprodukte entstehen, die die Probleme des zu teuren Mais ausgleichen würden.

Meine Meinung: Die lokale Politik in den Regionen, die aktuell unter den hohen Preisen leiden, müssen unterstützt oder gewechselt werden. Der Bevölkerung wird nicht mit günstigeren Preisen geholfen sondern mit Selbsthilfe. Die Preise müssen sich durch Angebot und Nachfrage bilden, nicht durch Zwang. Es ist wichtig diesen Prozess nicht zu verändern, auch wenn es bei den Marktteilnehmern emotional überspitzte Zeiten gibt. Über längere Sicht wird sich der Preis wieder einpendeln. Ob dieser dann zu hoch ist, mag ich nicht beurteilen. Er wird aber fair sein, weil er zwischen Menschen ausgehandelt ist und die Erwartung widerspiegelt.

Vielleicht noch ein paar Zeilen zur angeblichen Auswirkung der Spekulation. Dies liest man ja ebenfalls oft in den Medien. Hat die Spekulation eine Auswirkung oder ist die Preisbildung an sich Spekulation? Es werden schließlich Erwartungen gehandelt, die durch Entscheidungen entstehen, die emotional beeinflusst sind. Eine Erwartung ist z.B. ein noch nicht eingetretenes Ereignis wie ein Ernteausfall. Dies ist sicherlich nur eines von unendlich vielen Motiven der Marktteilnehmer. Aber auch z.B. Hedgefunds oder Rohstofftrader allgemein erfüllen eine wichtige Aufgabe in der Preisbildung. Sie funktionieren im kurzfristigen Handel als Rohstoffhändler (wie ein Marktstand auf einem Wochenmarkt). Ein Hedgefund der Mais kauft erwartet genauso Preissteigerungen wie ein Rohstoffhändler bei Nestle oder einem Biosprit-Lieferant. Der Hedgefund verkauft später seine Kontrakte an z.B. den Biosprit-Lieferanten, der immer noch der Erwartung ist, dass der Preis noch weiter steigt und sich somit über die aus seiner Sicht günstigen Kontrakte freut. Der kurzfristige Handel sorgt zudem für Liquidität, damit die Preisbildung ohne größere Sprünge funktioniert und jeder Marktteilnehmer kaufen/verkaufen kann ohne große Spreads bezahlen zu müssen. Somit ist auch den Hedgefunds nichts vorzuwerfen, der ebenso am Markt teilnehmen wie der Lebensmittelhänder.

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