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Meinung: Verfrühter Aprilscherz – Bonusregelung für Banker

Die Boni sind nicht das Problem. Die Politik betreibt Populismus und versteht den Kern nicht!
Da waren sie mal endlich wieder stolz auf ihr politisches Ergebnis, da konnten sie mal alle wieder zusammen Entschlossenheit zeigen und das der Bürgerwille wahrgenommen wird. Populismus nennt man so etwas. Die Regelung der Banker-Boni ist eine populistische Entscheidung, die den Tageszeitungen großartige Überschriften („EU will Bankern an die Prämien“ bei BILD) beschert, einfach umzusetzen war und gleichzeitig Zustimmung bei den Bürgern bringt. Doch wie so oft, ist dies zu kurz gedacht und es zeigt, dass viele Politiker keine Ahnung von Finanzen und Wirtschaft haben.

Lasst doch die Inhaber eines Unternehmens über Gehalt bestimmen … Es ist schließlich ihr Geld und ihre Verantwortung.
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Die Regelung sieht für Banker eine Deckelung des Bonis bei max. des zweifachen des Jahresgehaltes vor. Dies ist aber schon der Ausnahmefall, bei dem mindestens zwei drittel der Aktionäre zustimmen müssen. Es ist ja in Ordnung, dass man exorbitanten Gehältern versucht einen Riegel vorzuschieben, aber warum muss dies die Politik machen? Es sollte Aufgabe der Aktionäre und des Aufsichtsrates sein, die Gehälter zu regulieren und entsprechend anzupassen. Zahlt ein Unternehmen, nach Meinung der Inhaber (also der Aktionäre) zu viel Bonus, sollten diese sich dagegen wehren, dass ihr Geld falsch eingesetzt wird. Führt aber die Lohnpolitik des Unternehmens, im Sinne der Aktionäre, zu Erfolg, sollten doch auch die Mitarbeiter entsprechend belohnt werden. Wie viel dies ist, spielt doch keine Rolle. Im Gegenteil, ein erfolgreiches Unternehmen, welches entsprechend entlohnt, zieht doch wieder neue erfolgreiche Mitarbeiter an. Deckelt man dies künstlich, führt es zu einer Veränderung im Arbeitsmarktsegment. Da hilft es auch nichts, wenn man Fixgehälter erhöht. Dies stellt nämlich ein Risiko für das Unternehmen dar, welches sie nicht bereit sind einzugehen. Warum soll ein Mitarbeiter mit schlechterer Leistung ein gleiches Fixgehalt haben wie ein sehr erfolgreicher? Zudem unterstehen gerade Banker einem höheren Risiko bei schlechter Leistung gekündigt zu werden.

Zudem solle man neben dem Bankensektor auch andere Sektoren betrachten: Industrie, Immobilien, Automobil … Hier wird genauso entsprechend verdient. Nur beginnen hier die hohen Verdienste bei einem höheren Dienstgrad. D.h. die Mitarbeiter werden noch weniger am Erfolg beteiligt! Auch im Vertrieb so mancher Firma herrschen die merkwürdigsten Lohnmodelle, bei denen die Mitarbeiter sogar meistens verlieren.

Das Problem sind nicht die zu hohen Boni, sondern eine mangelhafte Ermittlungsmethode.

Da wäre noch das Argument der gesteigerten Risikofreue durch zu hohe Boni. Dies Argument teile ich. Wer für hohe Gewinne entsprechend belohnt wird, wird eher dazu geneigt sein, höhere Risiken einzugehen. Nur hier liegt ein Irrtum in der Betrachtung vor: Es sind nicht die Boni die das Problem schüren, sondern zu hohe Risiken werden nicht geahndet. Welcher Mitarbeiter wird denn im Verlustfall am Verlust beteiligt? Welche Firma zieht den Risikomaßstab bei der Boniermittlung mit ein? Man merkt recht schnell, das hier das eigentliche Problem liegt und hier müsste etwas geschehen. Wer hohe Risiken für hohe Gewinne eingeht, soll entsprechend weniger belohnt werden, weil dies weniger effizient ist (denn die möglichen Kosten des Risikos sind extrem höher). Aber eine ähnliche Situation haben wir auch im Vertrieb. Hier werden auch oft bewusst Risiken durch Täuschung oder Betrug eingegangen, um Geschäfte abzuschließen. Man muss nur an die tausenden Berater in Versicherungen, Telefongesellschaften, Zeitschriftenvertrieb oder sogar angeblichen gemeinnützigen Organisationen denken. Die Auswirkungen eines möglichen Zusammenbruchs der Firmen mit Schaden für die Umwelt sind zwar geringer, jedoch ist das Modell sehr ähnlich. Hohe Boni für Geschäftsabschlüsse, oftmals egal wie diese zustande kommen.

Das Problem im Umdenken, hin zu einem anderen Ermittlungssystem für Boni, liegt in der Organisation. Ein einzelner Mensch kann für sich sehr schnell ein Verhalten ändern. Eine Organisation mit einer starken Wechselwirkung der Umwelt benötigt wesentlich länger, um sich zu verändern. Zumal die anderen Organisationen ebenfalls sich mit anpassen müssen, damit nicht Wettbewerbsnachteile entstehen. Und aktuell sieht noch niemand große Vorteile in einer anderen Boni-Politik. Warum? Weil die Boni bis jetzt keinen nachgewiesenen Schaden angerichtet haben und somit auch den Firmen nicht geschadet haben. Es ist die Politik, die hier einen Sündenbock gesucht und gefunden hat.

Die Top-Leute werden in Zukunft einfach außerhalb der EU angestellt.

Also was wird in Zukunft nach der EU Regelung geschehen? Nicht viel. Die Großen Gehälter werden ohnehin nicht in der EU gezahlt und zudem werden die Teile der Banken, die diese Lohnpolitik nutzen, einfach ihre Top-Leute außerhalb der EU anstellen. Zudem wird es Widerstand gegen die Regelung geben. Großbritanien wird sich nicht zwangsweise Nachteile aufbürden lassen. Ein weiteres Argument für die Briten der EU den Rücken zu kehren. Die EU macht deutlich, dass sie nicht daran interessiert sind ein großer Finanzplatz auf der Welt zu sein. Schade, denn zukünftig werden wir dann auf das Ausland angewiesen sein. Man darf nicht vergessen, dass Investmentbanken nicht nur, wie fälschlicherweise wahrgenommen, „zocken“, sondern auch Firmenübernahmen finanzieren und organisieren und vor allem dem Mittelstand bei der Finanzierung durch z.B. Anleihen helfen. Deutschland betont doch so oft wie wichtig der Mittelstand ist. Wenn Conti dann zukünftig eine Anleihe auflegen möchte, rufen sie ihren Berater in der Schweiz oder Singapur an. Denn in Deutschland oder der EU wird das Top-Personal nur noch sporadisch zu finden sein.

Hedgefonds sind die einzigen, die von der Boni Regelung bis jetzt ausgenommen sind. Es wäre ja auch sehr schwierig eine private Kapitalverwaltungsgesellschaft, die genau davon lebt, mit solch einer Deckelung jegliche Geschäftsgrundlage zu entziehen. Da aber auch die europäischen Politiker das Modell Hedgefond nicht verstehen und die schwarzen Schafe der Branche vor die Kamera zerren, wird auch hier eine Regelung zu erwarten sein.

Das Fazit fällt ernüchternd aus. Es zeigt sich mal wieder, wie groß die Defizite in der Politik sind. Zudem zeigt es den Wandel der Interessen: Europa soll kein Kapitalmarkt sein, da dies so ein schlechten Ruf hat. Europa soll moralisch sauber und rein sein. Lieber Autos bauen als Autos finanzieren. Interessant wäre dies, wenn der Ruf der Banker ein anderer wäre. Wenn Banker wieder ein Beruf wäre, den unsere Kinder anstreben. Dann würden wir wahrscheinlich sofort die Deckelung zurücknehmen. Schließlich würde ja auch niemand aufschreien, wenn jemand bei Airbus das dreifache seines Gehalts als Bonus erhalten würde, wenn er eine Flotte Flugzeuge verkauft. Vielleicht hat er sogar Bestechungsgelder gezahlt hat, weil dies im Käuferland üblich ist.
Natürlich muss man die Finanzbranche an den Kosten der letzten Krise beteiligen. Nur wäre es vernünftiger dies anders zu machen und hätte es früher stattfinden müssen. Der Markt muss sich selber bereinigen. Dies hat die Politik damals nicht zugelassen und nun betreiben sie Augenwischerei, damit irgendetwas geschehen ist. Ob es gut oder schlecht war, interessiert in wenigen Monaten niemanden mehr.

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