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Was ist „Overhead Resistance“ bei Aktien?

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An der Börse geht es vor allem um eins: Angebot und Nachfrage. Dies ist die Grundlage des Handels, egal mit welchem Handelsinstrument. Auch Derivate (z.B. Futures, Zertifikate, CFDs), die nicht direkt durch Angebot und Nachfrage beeinflusst werden, werden durch das zugrunde liegende Handelsinstrument (z.B. Index, Aktie oder Währung) beeinflusst. An den Preis- und Volumenbewegungen kannst du eine Einschätzung der Angebots- und Nachfragesituation vornehmen und sehen, ob die größeren Chancen auf Seiten der Bullen oder Bären liegen.

Jeder Chart zeigt dir die Vergangenheit an. Das heißt alle Handelsgeschäfte die bereits stattgefunden haben. Somit kannst du sehen, zu welchen Preisen möglicherweise Marktteilnehmer eingestiegen sind und wie sich ihre Position momentan verhält. Liegt der Preis einer Aktie beispielsweise unterhalb eines letzten Hochpunktes, wird es wahrscheinlich eine Anzahl von Tradern geben, deren Position sich aktuell im Verlust befindet. Wenn sich der Preis aktuell auf einem neuen Hoch befindet, ist genau das Gegenteil der Fall. Hier sind viele Trader im Gewinn.

Trader, die sich im Verlust befinden, sind mit „Schmerzen“ konfrontiert. Sie sind auf der falschen Seite investiert und müssen zusehen, wie der Verlust immer größer wird. Gleichzeitig haben sie die Hoffnung, dass der Preis dreht und sie break-even aussteigen können. Ein Trader, deren Position sich im Verlust befindet ist also ein potentieller Verkäufer. Genau diese Trader sind es, bei denen man von „Overhead resistance“ spricht.

Sunpower - Viel Overhead Resistance
Bei dieser Aktie herrscht eine klar bärische Stimmung. Jedes neue Hoch wird zum Ausstieg genutzt und vorherige Käufer stoßen ihre Positionen ab. Er herrscht viel Angebot in Höhe vorheriger Hochpunkte.

Overhead resistance: Das Angebot über dem aktuellen Preis

Eine Aktie, dessen Preis stark gefallen ist und sich auf einem neuen Allzeittief befindet, hat eine längere Historie von Verlusten hinter sich. Sie ist vielleicht schon 20, 30 oder sogar 80 Prozent gefallen. Doch du solltest dich fragen: Wer war bereit bei all den höheren, vergangenen Preisen zu kaufen? Alle diese Trading-Positionen müssen sich zwangsläufig im Verlust befinden. Das gilt natürlich nur, wenn man eine Long-Position besitzt. Short-Positionen, die von fallenden Kursen profitieren, befinden sich wahrscheinlich im Gewinn. Doch da nur eine Minderheit an der Börse Leerverkäufe vornimmt, lasse ich diese Gruppe hier außen vor.

Wie schon oben erwähnt haben Trader, deren Positionen im Verlust sind, eine schwere Zeit. So lange sie die Position halten, sind sie mit dem Verlust konfrontiert. Es gibt für sie nur zwei Möglichkeiten:

  1. Aufgeben und die Position im Verlust verkaufen oder
  2. warten, bis die Aktie ansteigt und mit einem kleineren Verlust oder sogar break-even aussteigen.

Neben diesen Marktteilnehmern gibt es noch Trader, die direkt das Tief erwischt haben und sich nun mit ihrer Position im Gewinn befinden. Diese Trader werden verkaufen, wenn der Gewinn groß genug ist und sie Angst haben, ihre offenen Gewinne wieder zu verlieren.

Diese beiden Marktteilnehmer sorgen für ein potentielles Angebot oberhalb des aktuellen Preises. Wenn das Angebot groß genug ist, werden sie dafür sorgen, dass der Preis erneut fällt. Erst, wenn, die Nachfrage groß genug ist, um das gesamte Angebot aufzunehmen und für neue Preishochs zu sorgen, kann die Aktie auf neue Hochs steigen. Doch meistens ist dies schwerer Weg, der zu viel Volatilität und erneuter Frustration bei den Tradern führt.

Damit eine Aktie komplett dreht und einen neuen Trend einleitet, müssen vorher alle Marktteilnehmer, die zu höheren Kursen eingestiegen sind, verkauft haben. Hier siehst du, wie groß die Nachfrage sein muss, um den Trend in einer Aktie zu drehen und auf neue Hochs zu schicken. Wechselt die Stimmung in einer Aktie von einer bärischen in eine bullische, so ändern sich auch die Erwartungen der Marktteilnehmer. Du kannst nun beobachten, dass die Aktie sich anders verhält. Anstatt, dass sie neue Tiefs erreicht und viele Marktteilnehmer schmerzvoll ihre Verluste hinnehmen, springt die Aktie nun mit größerem Volumen nach oben. Sie entwickelt neue Kraft und das zeigt sich auch im Preis-/Volumenverhalten. Doch ein derartiger Wechsel der Stimmung braucht Zeit. Oft kannst du sehen, dass es Monate oder Jahre dauert, um den Trend in einer Aktie umzukehren. In dieser Zeit wird das vorhandene Angebot aufgenommen und die Aktien an andere Marktteilnehmer umverteilt.

Nvidia auf einem neuen Allzeithoch. Kein Overhead Resistance mehr vorhanden.
Diese Aktie steigt auf ein neues Allzeithoch. Das Volumen zeigt eine starke Nachfrage, die von starken Preissprüngen begleitet werden. Bereits vor einem neuen Allzeithoch ist dieses Verhalten zu beobachten. Es gibt kein Overhead Restistance mehr.

Aktien auf einem neuen Allzeithoch: Hier gibt es kein potentielles Angebot mehr

Viele Trader haben Angst, Aktien auf einem neuen Allzeithoch zu kaufen. Sie fühlen sich unwohl damit, da hier noch keine Preishistorie vorliegt und somit auch keine technische Analyse vorgenommen werden kann. Ein weiterer Grund ist, dass viele Marktteilnehmer „Schnäppchen“ kaufen wollen. Aktien, die auf neuen Allzeithochs gehandelt werden, fühlen sich jedoch nicht wie Schnäppchen an. Oft ist jedoch genau das Gegenteil der Fall. Du kannst bei Aktien, die sich vervielfachen oft beobachten, dass sie zuvor ein neues Allzeithoch erreicht haben.

Ein großer Vorteil bei Aktien, die auf neuen Allzeithochs gehandelt werden ist, dass sie kein Angebot oberhalb des aktuellen Preises haben. Es existiert also kein Overhead Resistance mehr. Alle Käufer, die vorher Positionen eröffnet haben, befinden sich im Gewinn. Sie haben zu günstigeren Preisen gekauft. Somit besteht ein geringeres Risiko, dass Trader ihren Verlustschmerzen nachgeben und ihre Positionen abstoßen.

Natürlich hat auch diese Situation Nachteile. Möglicherweise sitzen viele Trader bereits auf einem großen Gewinn und haben nun Angst, diesen wieder zu verlieren. Doch meistens besteht in Aktien auf einem Allzeithoch gleichzeitig eine starke Nachfrage, die dieses Angebot aufnimmt. Erst, wenn es zu einer Umkehr und zu einem Umschwung in der Stimmung der Aktie kommt, kehrt sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage um. Bei dieser Umkehr kommt es meist zu einer starken Preisbewegung, da nun alle Trader noch einen kleinen Gewinn retten wollen und verkaufen.

Trendumkehr in Teck Resources
Kräftige Trendumkehr mit einer Schulter-Kopf-Schulter-Formation, begleitet von einem Wechsel des Volumen-Verhaltens. Du kannst jedoch sehen, dass jeder Preisanstieg von einem Rücksetzer begleitet wird. Es gibt keine längere Strecke in der der Preis anzieht, ohne wieder umzukehren. Hier herrscht also eine höhere Volatilität.

Trendumkehr von Allzeittief trotz Overhead Resistance

Jetzt denkst du vielleicht: Das ist ja alles schön und gut, aber es gibt viele Aktien, die sich vom Allzeittief aus vervielfachen. Das ist richtig und man findet viele Beispiele hierfür. Es gibt Trading-Strategien, die genau von dieser Situation profitieren.

Damit eine Aktie von einem Allzeittief aus dreht und eine Trendumkehr einleitet, muss sich die Stimmung komplett ändern. Sie muss von einer bärischen in eine bullische Stimmung wechseln. Alle Trader, deren Positionen sich im Verlust befinden, müssen verkaufen oder ihre Meinung ändern. Erst, wenn neue Marktteilnehmer bereit sind, höhere Preise für die Aktie zu bezahlen, kann der Trend drehen. Dazu braucht es aber einen Auslöser, um neue Trader in die Aktie zu locken. Das können positive Unternehmens-Nachrichten, Gerüchte, verbesserte Branchensituation oder eine stark Nachfrage (z.B. bei der Auflösung von Short-Positionen) sein. Du kannst diesen Stimmungswechsel im Verhalten der Aktie sehen. Es gibt viele charttechnische Formationen, die einen Stimmungswechsel andeuten: Schulter-Kopf-Schulter-Formation, Doppelboden, Dreifachboden, usw. Du kannst auch sehen, wie auf einmal das Volumen an Tagen mit steigenden Preisen zunimmt.

Doch du kannst bei einer Trendumkehr auch gleichzeitig eine Zunahme der Volatilität beobachten. Es ist sehr selten, dass eine Aktie von einem neuen Allzeittief auf ein neues Allzeithoch steigt, ohne nochmals zu korrigieren. Der erste Schub bei einer Trendumkehr ist oft kräftig, aber nimmt die Nachfrage ab, kommt es zu einem volatilen, schwachen Aufwärtstrend. Wenn dann noch schlechtere Unternehmensnachrichten dazustoßen, kehrt sich die Nachfrage schnell wieder um und die Aktie wird auf eine neue Talfahrt geschickt.

Chesapeake Energy mit Overhead Resistance
Nach einer Trendumkehr nutzen Marktteilnehmer jedes neue Hoch zum Ausstieg. Ein typisches Verhalten einer Aktie mit Overhead Resistance. Du kannst auch sehen, wie sich das Volumen-Verhalten verändert.

Fazit: Sei dir der Situation bewusst

Als Trader bist du ein ständiger Beobachter der Angebots- und Nachfragesituation. Du musst die Stimmung in einer Aktie erkennen und dich auf die Seite schlagen, die die besten Chancen bietet. Das tust du natürlich nicht, in dem du würfelst, eine Münze schmeißt oder deinen Kaffeesatz liest. Deine Setups, die du für dich definiert hast, beinhalten bereits die Analyse der Stimmung in einer Aktie.

In der Analyse meiner vergangenen Trades ist mir aufgefallen, dass sich gerade Aktien, die eine Trendumkehr vollzogen haben, volatil verhielten und ich oft ausgestoppt wurde. Natürlich waren hierunter auch große Gewinner, aber die Mehrheit erwies sich als nicht profitabel. Zudem rauben diese Trades mentale Kraft. Aktien, die auf neue Allzeithochs steigen und gleichzeitig relative Stärke gegenüber dem Markt zeigen, sind oft die besseren Kandidaten.

Sollte man nun Trendumkehr-Trades komplett vermeiden? Nein. Es kommt natürlich auf deine Trading-Strategie an. Es gibt immer wieder sehr profitable Situationen, in denen man eine Trendumkehr handeln kann. Doch du solltest prüfen, wie viel Angebot in der Aktie zu erwarten ist. Erst, wenn eine Aktie ausreichend konsolidiert hat und die Stimmung dreht, solltest du eine Trendumkehr handeln. Aktien mit starker Overhead Resistance können sonst zu viel Frustration führen.


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  • Rolf Faisst

    Sehr gut beschriebener Artikel über ein sehr Detail intensives Thema. Ich habe mich z.B. auch schon sehr über ausgestoppte Geschäfte geärgert.Das nimmt einem die Motivation und das Selbstvertrauen in die eigene Strategie. Darum versuche ich meine Geschäfte und die Trades so einfach wie möglich zu halten. Und natürlich trotzdem profitabel. Ich fahre deswegen mit binären Optionen im Währungsmarkt recht gut ! Über meine Erfahrungen usw. schreibe ich auch in meinem Blog:
    http://www.binaerer-optionshandel.de
    Wünsche dir weiterhin viel Erfolg

© Copyright 2015 - Julian Komar - >500 Artikel im Trading Blog ★ Trading ✓ Trendfolge ✓ Trading System ✓ Tradingpsychologie ✓ Erfolg & Motivation ★ Trading Blog für Trader & Einsteiger

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