„Beim Dax erwarte ich eine fast 20-prozentige Steigerung in den nächsten 18 Monaten.“ – David Folkerts-Landau, Deutsche Bank

Die Schlagzeilen der Artikel in diesen Tagen sind amüsant. Selbst bei Journalisten, deren Artikel ich gerne gelesen habe, muss ich mich fragen, ob sie nicht nach der ein oder anderen Top-Platzierung aus sind, wenn sie auf einmal reißerische Schlagzeilen präsentieren. Man liest „Der Kapitalismus ist tot“, „Das System funktioniert nicht mehr“, „Der Kapitalismus enttäuscht seine Jünger“, „Der Börsen-Crash entspricht nicht den fundamentalen Bewertungen“ usw. Was soll das aussagen?

Funktioniert der Kapitalismus wirklich nicht mehr? Die Frage kann ich nicht beantworten, aber von einem Zusammenbruch spüre ich jedenfalls nichts. Es mag Zeiten geben […] Mehr lesen

Wann nimmt man am Markt teil und wann nicht?

Wann nimmt man am Markt teil und wann nicht?

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Jesse Livermore ist einer der erfolgreichsten Trader, der je gelebt hat, aber auch einer der umstrittensten. Jedoch sind die Bücher von und über ihn jedem zu empfehlen. Sie enthalten eine große Bandbreite an Weisheiten über die Märkte und das Trading. Es sind vielzitierte Werke.

Ein Trader muss und kann nicht die ganze Zeit an den Märkten teilnehmen. Dies ist ein großer Vorteil der privaten Trader. Das Geld, was man selber verwaltet ist überschaubar und lässt sich schnell in den Märkten unterbringen. Zudem stehen wir nicht unter dem Druck handeln zu müssen, um gesetzliche Auflagen oder Kundenwünsche zu erfüllen. Neben der Long- und Short-Position, ist Cash genauso eine Position.

Es fällt den meisten Tradern, auch mir, immer wieder schwer, es zu akzeptieren, dass Pausen genauso zum Trading gehören wie das Handeln. Es ist lediglich das Bild eines Traders in unserem Kopf, was uns bremst. Das Bild zeigt nämlich eine Person, die aktiv ist und nicht passiv. Doch das Bild ist falsch! Warum sollte ich meine Strategie in Zeiten anwenden, wenn ich weiß, dass die Chancen schlecht stehen, dass sie funktioniert? Im Trading geht es darum seinem Prozess zu folgen und nicht Emotionen oder Aktionismus.

Jesse Livemore hat recht, wenn er sagt, dass man nicht die ganze Zeit am Markt teilnehmen soll oder kann. Sei es aus Selbstschutz nach einer guten Phase oder aus Schutz vor stärkeren Kapitalrückgängen, die Teilnahme am Markt sollte nur dann erfolgen, wenn man als Trader emotional und strategisch dazu in der Lage ist. Also dann, wenn man seinen Plan ohne Fehler durch Emotionen ausführen kann und wenn die Strategie zur Situation passt. Denn auch das Handeln einer Strategie, die nicht zum Markt passt, ist „too tough on the emotions“.

Auf der Suche nach der richtigen Aktie … Stock Picking?

Oft wird man als Trader nach einem Tipp gefragt: „Gibt mir mal’n Tipp … Was ist denn zur Zeit angesagt?“ oder „Gibt es nicht Aktien, die immer steigen?“ Tipps gebe ich nie, genauso wenig, wie es Aktien gibt, die immer steigen. Letztere mag es momentan geben, aber ob sie auch noch in Zukunft immer weiter steigen?

Stock Picking beschreibt das gezielte Finden von einzelnen Aktien, die den Markt outperformen sollen oder zu einem Portfolio […] Mehr lesen

Tradingpsychologie: Märkte kann man nicht vollends verstehen

Ob ich ein Super-Börsen-Experte bin, spielt für das Geldverdienen keine Rolle. Das Ergebnis zählt, nicht das Wissen.
Oft sagt man so einfach: Du musst die Märkte verstehen, fühlen oder nachvollziehen können. Dies ist natürlich nur Umgangssprache und jeder versteht, was der andere einem sagen will. Doch nimmt man mal den Kern auseinander, kommt man schnell zu dem Schluss: Die Märkte können nicht vollends verstanden werden.

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Ein Markt besteht aus tausenden von einzelnen Transaktionen zwischen zwei Parteien, die Dinge austauschen. Derjenige, der etwas haben möchte, sieht einen höheren Nutzen in dem Ding, was er kauft, als derjenige, der es verkauft. Dabei spielt es keine Rolle was das Tauschobjekt ist. Um einen Markt vollends verstehen zu können, muss man also alle Transaktionen analysieren und nachvollziehen. Dies ist jedoch in einen so großen und schnellen Markt, wie den Börsen, unmöglich. Genau aus diesem Grunde werden Vereinfachungen getroffen.

Ein Trading-System ist nämlich nichts anderes als Vereinfachung.

Ein Trading-System ist nämlich nichts anderes als Vereinfachung. Es werden diverse Regeln aufgestellt, um Muster aufzuspüren und zu handeln, die regelmäßig im Markt auftreten und von denen sich profitieren lässt. Je mehr Regeln ein System besitzt, desto enger sind die Muster gefasst, auf die man es absieht. Je weiter die Regeln, desto ungenauer werden die Muster erfasst. Auf der selben Skala bewegt sich dann auch die Anfälligkeit für Marktveränderungen. Je enger das Muster, desto anfälliger; je ungenauer das Muster, desto robuster. Dies schließt jedoch nicht den möglichen Profit mit ein.

Ein bekannter Trader sagt einmal, dass man die Märkte eigentlich nicht verstehen, sondern Geld verdienen will. Es ist dieselbe Fragestellung zwischen einem „Nerd“ und seinem Gegenteil: Der Nerd ist nur an der Sache an sich interessiert, während sein Gegenteil das Ergebnis im Blick hat.

Womit ich letztendlich als Trader Geld verdiene, spielt keine Rolle.

Dennoch muss man natürlich die zugrunde liegenden Kräfte und Gesetzmäßigkeiten der Märkte verstehen, sonst lässt sich kein Trading-System entwickeln. Die Frage lautet nur: Wie viel? Ich merke regelmäßig, dass ich mich auf das Ergebnis konzentrieren muss, nämlich das Geldverdienen und nicht auf die Sache an sich. Womit ich letztendlich als Trader Geld verdiene, spielt keine Rolle. Da hilft es mir auch in keiner Weise weiter, ob ich Markt-Experte bin oder nicht.

 

Trendfolge: Was muss eine Aktie tun, um sich zu verdoppeln?

Das grundlegende Prinzip der Trendfolge ist: Steigende und fallende Preise. Was muss also eine Aktie tun, um sich zu verdoppeln? Würdest du eine Aktie auf Allzeithoch kaufen?
Trading spielt oft gegen das Verhalten und die Denkweisen, die wir gelernt haben und für richtig halten. Speziell die Trading-Strategie der Trendfolge enthält viele Elemente, die gegen die menschliche Natur verstoßen. Dies macht Trendfolge so schwierig.

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Konfrontiert man Trader oder Börseninteressierten mit der Frage „Was muss eine Aktie tun, um sich zu verdoppeln?“, werden die meisten wahrscheinlich relativ schnell antworten: „Sie muss steigen!“ Zeigt man den Personen jedoch den Chart einer Aktie, die auf einem Allzeithoch steht, werden sie schnell sagen: „Die Aktie ist zu teuer. Ich würde kaufen, wenn sie gefallen ist.“

Wir wollen schlauer als alle anderen sein und etwas zu einem niedrigen Preis erhalten.

Genau dieses Verhalten ist widersprüchlich, aber menschlich. Wir wollen schlauer als alle anderen sein und etwas zu einem niedrigen Preis erhalten. Viele, gerade unerfahrene, Marktteilnehmer kaufen bei fallenden Kursen. Sie sagen sich: „Die Aktie kann nicht tiefer fallen.“ Doch genau hier kann man die Frage umdrehen: „Was muss eine Aktie tun, um sich zu halbieren?“ Richtig, sie muss fallen.

Aus diesem beiden Aussagen, lassen sich Strategien ableiten. Wenn wir Aktien wollen, die sich verdoppeln, dürfen wir nur bei steigenden Kursen kaufen. Suchen wir nach Aktien, die fallen, müssen wir nach fallenden Kursen Ausschau halten.

Die Trendfolge hat sich zum Ziel gesetzt, einem Trend so lange zu folgen, bis er endet.

Dies ist recht simple und beschreibt im Kern, worum es bei der Trendfolge geht. Hinzu kommt, dass man diese Frage immer wieder bei einem neuen Preislevel stellen kann: Bei 10, 20, 30, 50 usw. Damit eine Aktie von 10 auf 20 steigen kann, was eine Verdoppelung ist, muss sie steigen. Den Anstieg zwischen 10 und 20 nennt man Trend. Die Trendfolge hat sich zum Ziel gesetzt, einem Trend so lange zu folgen, bis er endet. Wann endet ein Trend? Wenn der Kurs fällt.

Die Definition des Beginns oder des Endes eines Trends legt der Trader für sich individuell in seiner Strategie fest. Jedoch haben alle Trendfolge-Strategien eines gemeinsam: Sie folgen steigenden und/oder fallenden Preisen. Dies ist genau der Grund, warum Trendfolge-Strategien Aktien wie Apple, Tesla, Priceline, Google usw. im Depot haben/hatten. Ein Trendfolge-Trader versucht nicht bei fallenden Kursen zuzugreifen und zu sich zu sagen: „Ab hier wird der Kurs wieder steigen“. Genau im Gegenteil. Eine Trendfolge-Strategie wird dann aktiv, wenn der Preis wieder steigt.

Wer kauft schon gerne etwas, was sich auf dem höchsten Preis aller Zeiten befindet?

Doch Trendfolge geht gegen das, was wir als richtig oder sinnvoll erachten. Eine Trendfolge-Strategie kauft nicht bei niedrigen Preisen, sondern bei hohen. Einstiege wie Ausbrüche auf mehrmonatige Höchstkurse oder sogar Allzeithochs sind geeignete Einstiege. Wer kauft schon gerne etwas, was sich auf dem höchsten Preis aller Zeiten befindet?

Doch man kann bereits Gelerntes ändern und neues lernen. Dies zeigen die Beispiele erfolgreicher Trendfolge-Meister die es seit 100 Jahren gibt und weltweit aktiv sind. Sie erwirtschaften seit Jahrzehnten große Renditen unter geringem Risiko und verwalten Milliarden.

Trendfolge-Strategien funktionieren, wie andere Strategien auch, nicht immer und nicht in jeder Marktumgebung.

Doch man darf sich nichts vormachen. Trendfolge-Strategien funktionieren, wie andere Strategien auch, nicht immer und nicht in jeder Marktumgebung. Wendet man eine Trendfolge-Strategie auf Aktien an, benötigt man einen allgemeinen Trend im Aktienmarkt, da viele Aktien gemeinsam steigen oder fallen. Bei einem diversifizierten Trendfolge-Portfolio, wie es z.B. CTAs mit Futures einsetzen, kann es ebenfalls vorkommen, dass sich alle Märkte trendlos bewegen. Doch die Chance ist hierbei geringer.

Jede Strategie und Denkweise benötigt eine Grundlage, die sich im Markt beobachten und bestätigen lässt. Es muss ein universelles Prinzip bestehen, was die eigene Strategie bestätigt und was sich im Markt beobachten lässt. Bei Trendfolge ist dies: Steigen und fallende Preise. Das Gute ist: Preise müssen sich bewegen, sie können sich nicht auf Dauer nicht bewegen.

 

Tradingpsychologie: Kapitalkurve als Bild im Kopf

Innere Bilder und Vorstellungen beeinflussen unser Handeln. Abweichungen von diesen Bildern empfinden wir als Fehler und frustrieren uns.
Jeder von uns hat verschiedene Bilder im Kopf: Wie sieht ein Trader aus, was macht er, wie verhält er sich? (s. Artikel „Das innere Bild von einem Traders„). Was ist ein perfekter Trade und wie läuft er ab? Wie sieht eine ideale Kapitalkurve aus?

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Diese Bilder und Vorstellungen leiten unser Handeln. Wir orientieren uns an ihnen und vergleichen diese ständig mit der Realität, um Abweichungen zu identifizieren. Hier liegt genau das Problem: Eine Abweichung vom Ideal wird als Fehler wahrgenommen. Genau aus diesem Grund ist es so wichtig, wie unsere Vorstellungen aussehen. Sie zu beeinflussen und zu verändern ist ein großes Stück Arbeit, da sie bereits in unserem Gehirn gespeichert und mit Emotionen belegt sind. Die Beschäftigung mit diesem Thema, welches in die Tradingpsychologie fällt, kann einen voran bringen.

2 Trader und Kapitalkurven als Beispiel

  • Trader A: Für ihn ist klar, dass Kapitalkurven linear ansteigen müssen. Rückschläge innerhalb der Kapitalkurve gibt es nicht. Er findet automatische Handelsprogramme anziehend, die solche Kapitalkurven ausweisen. Beim eigenen Handel läuft er in die ständige Frustration, dass seine Kapitalkurve nicht so aussieht. Er schaut am liebsten gar nicht mehr hin. Seine Kapitalkurve weist Rückschläge und flache Ebenen auf. Dadurch, dass er ein idealisiertes Bild einer Kapitalkurve im Kopf hat, fühlt er sich schlecht und dies wirkt sich auch auf seine Tradingperformance aus. Er geht bestimmte Trades nicht mehr ein und verletzt Regeln seines Systems.
  • Trader B: Sie hat schon lange die Vorstellung einer linear ansteigenden Kapitalkurve verworfen. „Wenn die Kapitalkurve so aussieht, stimmt etwas nicht! Jedes Tradingsystem verliert regelmäßig.“ ist ihre Meinung. Sie tradet ein eigenes Trading-System, welches regelmäßig Rückschläge in der Kapitalkurve aufweist. Sie weiß, dass die Rückschläger in der Kapitalkurve ein Indikator für eine nächste ansteigende Phase ist. Sie aktualisiert ihre Kapitalkurve jede Woche und schaut sich diese an. Sie hat ein Gespür für ihre eigene Kapitalkurve bekommen und prüft auch, wie sie zu einem gleitenden Durchschnitt liegt. Jedes Mal, wenn sie eine idealisierte Kapitalkurve sieht, weiß sie, dass es so etwas in der Realität nicht gibt.

Die beiden obigen Beispiel Trader haben jeder eine eigene Betrachtungsweise von Kapitalkurven und eine andere innere Vorstellung. Der Unterschied ist, dass Trader A in einer idealisierten Welt unterwegs ist, während Trader B bereits diese verworfen hat. Innere Bilder lassen sich nämlich verwerfen und neu malen.

Man muss akzeptieren, dass sich Kapitalkurven wie die Märkte verhalten: Sie steigen, fallen und bewegen sich seitwärts. Sie bilden so zu sagen einen eigenen Index. Die Anstiege und Abstiege werden durch das vom Trader eingegangene Risiko und die Performance der einzelnen Trades bestimmt. Alle Trades zusammengenommen bilden dann die Kapitalkurve. Also fast wie bei einem Index wie dem DAX. Es gibt sogar Trader, die die Kapitalkurven anderer Trader traden (sogenanntes Fonds-Trading).

Ich glaube, dies hilft mir, Verlustperioden zu akzeptieren und mich regelmäßig daran zu erinnern, dass diese jeder Trader hat.

Tradingpsychologie ist ein wichtiges Feld und jeder Trader sollte sich damit auseinandersetzen. Die Bilder, die man von etwas im Kopf hat, sind nur schwierig zu ändern, aber sie bestimmen unser Handeln. Die Vorstellung einer Kapitalkurve kann das eigene Handeln beeinflussen. Genau aus diesem Grund sehe ich z.B. Benchmarking (s. Artikel „Trading: Was denkst du über Benchmarking?„) als kritisch. Ich persönlich habe eine für mich gesunde Kapitalkurve im Kopf, wie im Artikel zum Thema Benchmarking zu sehen. Ich glaube, dies hilft mir, Verlustperioden zu akzeptieren und mich regelmäßig daran zu erinnern, dass diese jeder Trader hat.

 

Trading: Markt- und Aktienauswahl

Überschätzt man die eigenen Fähigkeiten der Aktienauswahl? Ist es sinnvoll, dass man ganze Märkte ausschließt, nur weil sie im Backtest nicht gut performten?
Ein Trader muss sich beim Erstellen seines Systems auch um die Marktauswahl kümmern. Welche Märkte trade ich? Beim Fokus auf den Aktienmarkt stellt sich dann auch die Frage, welche Aktien ich handele. Hierfür muss man Regeln haben, um Kandidaten mit einem guten Chance-Risiko-Verhältnis (CRV) zu identifizieren.

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Wenn ich Bücher über Systementwicklung und Backtesting lese, fällt mir immer wieder auf, dass Autoren ihre Systeme mit Hilfe der Marktauswahl optimieren. Sie entwickeln einen Systemansatz und schauen im Nachhinein, in welchen Märkten das System am besten performt hat. Dann werden die Märkte, die nicht gut performt haben, aussortiert. Ich will diese Vorgehensweise kritisch beleuchten und hinterfragen.

Dies ist nicht eine Frage des Marktes oder der Aktie an sich, sondern wie das Tradingsystem darauf reagiert.

Schaut man sich einen Chart an, sieht man, dass sich innerhalb des Kursgeschehens Phasen mit stärkerer/schwächerer Volatilität abwechseln. Kurse steigen, fallen oder laufen seitwärts. Ich glaube auch daran, dass Märkte oder einzelne Aktien eigene Charaktereigenschaften besitzen, einige sind volatiler, andere verhalten sich ruhiger. Ist nun ein volatilerer Markt besser fürs Trading geeignet als ein ruhigerer? Dies ist nicht eine Frage des Marktes oder der Aktie an sich, sondern wie das Tradingsystem darauf reagiert. Ist es so robust, dass es mit Phasen stärkerer Volatilität umgehen kann?

Ich bin der Meinung, dass man einen Faktor unterschätzt, wenn man Märkte für sein Tradingsystem anhand von Backtests aussucht: Die Unwissenheit über die Zukunft. Hat ein Markt in den zwei getesteten Zeiträumen nicht gut performt, heißt es noch lange nicht, dass er dies nicht in Zukunft tun wird. Es gibt Märkte, die Monate oder Jahre nicht zum Tradingsystem passen und sich dann wandeln und wieder gut performen. Schließt man solch einen Markt aus, verpasst man wohlmöglich einen großartigen Tradingkandidat. Niemand kennt die Zukunft …

Die Lösung für dieses Problem liegt meines Erachtens in einem robusten Tradingsystem und einer kürzeren Betrachtung des Marktes.

Die Lösung für dieses Problem liegt meines Erachtens in einem robusten Tradingsystem und einer kürzeren Betrachtung des Marktes. Man sollte nicht Märkte generell ausschließen, sondern vielmehr immer wieder prüfen, ob der Markt sich zur Zeit für das Trading eignet. Ein Volatilitätsfilter wäre eine Lösung, die auch vielmals verwendet wird.

Zudem will ich noch einen Faktor beleuchten, der mir bei Backtests mit nicht-performenden Märkten auffällt. Es gibt auch Märkte, die in einem festen Basket an Märkten im Backtest keinerlei Sinn ergeben. Sie machen z.B. Verlust oder performen break-even. Doch sie tragen zu einer glatteren Kapitalkurve bei oder gleichen in generellen Verlustphasen Verluste aus. Aus diesem Grund sind solche Märkte ebenfalls interessant, um sie im Basket zu halten.

Ich persönlich überschätze immer wieder massiv die Auswahl von einzelnen Tradingkandidaten.

Ich persönlich überschätze immer wieder massiv die Auswahl von einzelnen Tradingkandidaten. Was macht Aktie A interessanter als Aktie B? Bevor man einen Trade eingeht, sieht der Kandidat noch schön und gut aus. Weniger Tage später merkt man, dass Aktie B als Tradingkandidat besser gewesen werden. Diese kurzfristige Betrachtung hilft jedoch nicht weiter. Besteht objektiv, gemessen durch die Setup-Kriterien, kein Unterschied zwischen Aktie A und B, macht es auch keinen Unterschied, welchen Kandidaten man handelt. Beim nächsten Mal, kann es nämlich genau andersherum sein: Da ist vielleicht Aktie B erfolgreicher als A. Den Unterschied, den ich mir zurecht reime, entsteht nur in meinem Kopf. Dem Markt ist dies egal und in dieser kurzen Betrachtung ist der Faktor Zufall hoch.

Die Zukunft kann man nicht hervorsehen. Dies ist für mich eine der wichtigsten Erkenntnisse für das Trading. Sie im Kopf zu behalten und zu leben, ist nicht einfach. Nimmt man für das Trading Markt A oder B? Lieber doch Aktie B als A? Im Endeffekt ist dies nicht wichtig, solange man keinen Fehler bei der Setupauswahl macht. In einer langfristigen Perspektive zahlt sich der Vorteil im System aus. Ein Fehler wäre es, dass man meint, dass man Markt A generell nicht handelt, weil man hierin keine Gewinne erzielen konnte. Das kann morgen schon ganz anders sein.

 

Trading: Trader sind Risikomanager! Was bedeutet das eigentlich?

Das Entscheidende ist: Wie viele Schiffe schicke ich bei welchem Wetter raus?
Diesen Vergleich liest man viel: Trader sind Risikomanager. Doch gerade als Trading-Anfänger kann man mit diesem Vergleich nur wenig anfangen. Jedenfalls mir ging es so … Das Wichtigste beim Trading ist es, das Risiko im Blick zu haben und die Wahrscheinlichkeit des Erfolgs des eigenen Handelssystem einzuschätzen. Es ist nicht möglich zu wissen, ob der nächste Trade ein Erfolg wird oder nicht. Genauso wenig ist es möglich zu wissen, wie hoch der Gewinn sein wird, aber wir wissen durchaus wie hoch der Verlust im Normalfall ist. Zudem müssen wir als Trader wissen, wann unser eingesetztes System die höchste Chance hat zu gewinnen und somit mehr Gewinn als Verlust zu produzieren.

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Die beiden Risiken, die man ständig im Blick haben muss:

  • Marktrisiko: Hiermit meine ich das Risiko, dass der Markt nicht zum eingesetzten Handelssystem passt und somit der Erwartungswert in der entsprechenden Marktumgebung schlecht ist. Beispiel: Ein Trendfolgesystem funktioniert am besten in Märkten, die einen Trend aufweisen. Bewegen sich die Aktienmärkte (z.B. gemessen am S&P 500) seitwärts, ist es ratsam keine Trends in Einzelaktien zu handeln. Die Wahrscheinlichkeit Gewinntrades zu erzielen, ist reduziert.
  • Geldrisiko: Dies ist der Betrag, den ich verlieren kann. Hier gibt es mehrere Ebenen: Gesamtrisiko über alle offenen Positionen, Risiko der Einzelposition, Positionsgröße und Verlust bei einem Gap. Beispiel: 5% Gesamtrisiko über alle Positionen, da ich 5 Positionen mit je einem Prozent offenen Risiko habe; ich kann im Normalfall 5% meines Kapitals verlieren. Einzelrisiko: Ich habe eine Position auf eine Aktie eröffnet, der Abstand zwischen Einstieg und Stop-Loss beträgt berechnet 1% meines Kapitals. Daher habe ich ein Prozent Einzelrisiko. Zudem gilt auch das Risiko im Worst-Case eines Gaps zu berücksichtigen. Wenn z.B. eine Aktienposition 50% meines Kapitals ausmacht (Stückzahl * Einstiegspreis) und diese Aktie morgen mit einem 50% Gap eröffnet, wie viel kann ich dann verlieren? 50% Kapital * 50% = 0,5*0,5 = 0,25 = 25%! Das hieße ich verliere 25% von meinem Kapital. Das ist ein riesiger Betrag, den man erst einmal aufholen muss.

Diese Risiken müssen aktiv überwacht und gesteuert werden. Das Gemeine ist nur, dass alles dynamisch ist und die Risiken sich untereinander bedingen. Eine zentrale Fragen ist nämlich: Wie hoch soll mein Geldrisiko bei welchem Marktrisiko sein? Das ist das Einzige, worauf ich Einfluss habe!

Ich habe einige Tage nachgedacht, wie ich das ganze näher bringen kann … Ein Diagramm? Ein Video oder Schaubild? Da fiel mir eine Analogie ein, die ich letztens gehört habe, ich glaube sie stammt von dem Gründer von Sunrise Capital. Er hatte Trading mit Wellen und dem Meer verglichen und das möchte ich hier aufnehmen …

Stell dir vor du hast ein Aquarium mit Schiffen … 

Stell dir vor, du bist Schiff-Manager und deine Aufgabe ist es, Schiffchen ins Wasser zu lassen und diese mit den Wellen treiben zu lassen. Dafür hast du ein großes Aquarium, einige Schiffchen (beladen mit Gold) und das Wasser bewegt sich in Wellen. Das Ziel ist es, dass nicht zu viele Schiffe sinken, damit du deinen Job behalten kannst und nicht gefeuert wirst …

  • Zuerst musst du den Wellengang im Meer (Markt) feststellen und prüfen. Ist der Wellengang leicht? Vielleicht zu leicht und nichts bewegt sich? Ist er rau oder herrscht gar ein Sturm? Ist er ruhig und antreibend? Die zentrale Frage lautet: Wie verhalten sich die Schiffe beim aktuellen Wellengang? Werden viele untergehen oder schwimmen sie ruhig, aber zielstrebend vor sich hin?
  • Nachdem du nun weißt, was für ein Seegang herrscht, musst du entscheiden, wie viele Schiffe (Trades) du zu Wasser lassen kannst. Du musst jedes Mal damit rechnen, dass alle gleichzeitig untergehen können. Wie stehen die Überlebenschancen der Schiffe beim aktuellen Seegang? Ist die See rau und aufbrausend, schicke ich vielleicht gar keine Schiffe raus. Das Risiko ist zu hoch … Ist die See leicht und nichts bewegt sich, kann ich zwar ein paar Schiffe rausschicken, aber es wird nicht viel bringen. Vielleicht gehen sogar einige unter, wenn der nächste Sturm aufzieht … Ist die See ruhig, aber die Wellen treiben gut, kann ich viele Schiffe rausschicken. Das Klima wäre ideal …

Entscheidend bei dem Spiel ist, dass jedes Schiff beim Untergang nur den selben Verlust bringt. Es wäre also töricht ein Schiff mit viel Gold und eins mit weniger Gold zu beladen … Wenn das Schiff mit dem vielen Gold sinkt, wäre der Verlust sehr groß. Das selbe gilt für die Schiffsgröße. Diese sollte sich nicht zu stark unterscheiden, damit beim Untergang noch ein wenig zu retten ist (Schiffsplanken, Metall, Segel, ein wenig Gold …).

Es gibt natürlich noch mehr Techniken, die Schiffe zu managen und bei einem Wetterwechsel zu reagieren und ggf. ein wenig Gold von den Schiffen zu holen, bevor sie untergehen oder auch permanent, die Goldbestände zu reduzieren, bis die Schiffe kein Risiko beim Untergang mehr haben.

Ich hoffe, dass das Beispiel verständlich war und bei dem einen oder anderen geholfen hat, Risikomanagement zu verstehen. Es hilft, sich dies bildlich vorzustellen und sich seiner Rolle bewusst zu sein. Man steht außerhalb des Aquariums (außerhalb des Marktes und des Trading-Systems) und die eigene Aufgabe ist es zu entscheiden, wie viele Schiffe man bei welchem Wetter rausschickt. Man hat keinen Einfluss auf den Seegang, man hat keinen Einfluss darauf, wie lange die Schiffe treiben. Den einzigen Einfluss, den man hat ist: Wie groß sind die Schiffe, wie viel Gold haben sie (noch) geladen und wie viele Schiffe schicke ich gleichzeitig raus … Dies lässt sich natürlich in feste Regel für ein Trading-System überführen.

Trading: Was mir die Märkte erzählen … Kurze Analyse diverser Aktienmärkte.

Ein Blick auf die Märkte genügt, um die Richtung zu sehen …
Die oberen Charts sind bewusst „clean“ gehalten. Ich habe keine Chart-Analyse mit Linien etc. vorgenommen und habe auch alle Indikatoren entfernt. Einfach nur der Preis und ein paar markante Markierungen. Vor einiger Zeit habe ich auch noch Charts vollgemalt und über die Zukunft gerätselt. Doch letztendlich hat mich das nie weitergebracht, sondern nur Stunden an Zeit gekostet …

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Der Preisverlauf erzählt bereits alles was man wissen muss: Ist der Preis eher steigend oder fallen? Laufen die Märkte seitwärts? Wo sind markante Punkte, woran ich erkenne, dass der Trend wechselt? Die Basis-Theorie hierzu ist: Steigende Hochpunkte und Tiefpunkte = Aufwärtstrend, fallende Hochpunkte und fallende Tiefpunkte = Abwärtstrend. Unklarer Verlauf = Seitwärts. Jedes Kind könnte dies erkennen … Und doch machen wir uns das Leben extrem schwer, in dem wir immer versuchen zu raten, was morgen ist und wie der Preis die nächsten Monate laufen wird. Wo wird er anhalten und wo umkehren? Doch diese Art von Denken bringt einen nicht weiter. Zukunft bleibt nunmal unvorhersehbar und daher bringt es auch sehr wenig sich damit zu beschäftigen. Das einzige was ich für meine Richtungsentscheidung benötige, ist eine klare Lage des Marktes: Aufwärts, abwärts oder seitwärts. Hieraus lege ich meine Haupthandelsrichtung fest, halte die Richtung in einer Tabelle über die meisten Märkte fest und halte mich bei einem unklaren Bild vom Markt fern. Es geht darum, nur bei einer klaren Situation zu handeln und die Wahrscheinlichkeit für positive Trades zu erhöhen.

Keep it simple … Wer nun denkt: Mit Einfachheit verdient man kein Geld, ist genau auf dem falschen Weg. Einfachheit bringt Robustheit und Zeitlosigkeit. Trendfolger sind seit Jahrzehnten erfolgreich an den Märkten und die Dow-Theorie fast 100 Jahre alt! Man muss sich auch mal in die Zeit zurückversetzen, wo es noch keine Computer gab und Charts von Hand gezeichnet wurden. Gab es damals keine erfolgreichen Trader? NATÜRLICH und sogar einige der besten überhaupt … Haben sich die Märkte seitdem groß geändert? NEIN. Damals hing ein Chart an der Wand, man ging ein paar Schritte zurück und konnte sofort erkennen, welche Niveaus einen Trendwechsel hervorrufen und welcher Trend aktuell herrschte.

Ich selber nutze allerdings zusätzlich noch den Donchian Kanal zur Analyse der Indizes. Hiermit kann ich selber sehr einfach sehen, ob ein Trend vorliegt und er ermöglicht mir klare Entscheidungen. Doch oft entferne ich diesen auf dem Chart und schaue noch stärker „clean“ auf das Chartbild und dann erkenne ich noch klarer, wenn eine Seitwärtszone vorliegt.


Spannende und empfehlenswerte Bücher zum Thema

Es gibt kein direktes Buch zum Thema Donchian Kanal. Daher kann ich hier nur allgemeine Bücher empfehlen, die ich für lesenswert halte.

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Meine Bewertung: starstarstarstarstar
von Michael Covel
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Handelssysteme die wirklich funktionieren: Erfolgreich automatisiert handeln
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von Thomas Stridsman
"Sehr viel zum Thema Backtesting. Wer wissen will, wie man erfolgreiche Trading-Systeme baut und testet, sollte sich dieses Buch genauer anschauen! Mehr für erfahrene Trader geeignet. Rezension gibt es hier im Blog."
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© Copyright 2018 - Julian Komar - >500 Artikel im Trading Blog ★ Trading ✓ Trendfolge ✓ Trading System ✓ Tradingpsychologie ✓ Erfolg & Motivation ★ Trading Blog für Trader & Einsteiger
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