Was hat man über Drawdowns nach 40 Jahren Trading gelernt?

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Peter L. Brandt ist einer der wirklich erfahrenen Trader im Geschäft. Er ist seit ca. 40 Jahren dabei Seine Einsichten in das Trading sind somit wirklich wertvoll. In seinem Blog Factor Research hat er einen Artikel über Drawdowns veröffentlicht.

Hier zwei Auszüge:

The question a chartist should ask is: “Did today’s price action do damage to the technical case in a market?” Whether a position lost money is not the issue — nor should it be. I will tell you that every position I held today except one lost money. But not a single position experienced technical damage. If a trade is not digging into my pocket or experiencing technical damage, and if I am not over leveraged, then why should I pull the escape hatch?

Als Trader verfolge ich einen Plan, nämlich den Trading-Plan, den ich vorher aufgestellt habe. Eine Trading-Position ist keine schlechte, nur weil sie im Minus ist. Dies kann ein Teil des erwarteten Verhaltes sein. So lange die Position nach Plan verläuft, kann sie gehalten werden. Erst, wenn eine Position oder mehrere nicht mehr nach Plan verlaufen und sogar Regeln gebrochen werden, beginnt ein wirklicher Verlust. Bis dahin ist es einfach nur ein geplantes Risiko, welches einen Kapitalrückgang im Konto erzeugt, sollte der Plan nicht aufgehen.

Drawdowns are a fact of life for a trader. They happen. There will be bad days and bad weeks and bad months, and periodically even a bad year. A losing day/week/month is not an indictment against a trading plan. In fact, drawdowns are to be expected and a trader must learn to take them in stride without pulling the escape hatch whenever a position turns into a daily loser.

Der Trader muss Drawdowns als Teil des Tradings verstehen und akzeptieren. Wie ich bereits in einem anderen Artikel geschrieben habe, sind Drawdowns positiv zu sehen, denn es bedeutet, dass Trader aktiv das Risiko begrenzen. Ein Trader, der Drawdowns nicht akzeptieren kann, muss mit dem Trading aufhören. Doch man kann lernen, damit umzugehen. Dieses Umdenken fängt im Kopf an.

Hier könnt ihr den ganzen Artikel lesen: What trading over the course of five different decades has taught me about drawdowns

Drawdowns entstehen durch Risikobegrenzung

Jeder Trader wird kurzzeitig mit Perioden konfrontiert, in denen das eigene Trading-System profitabel ist und in denen es weniger profitabel ist. Genauso, wie ein Geschäftsmann nicht sofort sein Geschäft schließt, weil gerade eine Flaute eingesetzt hat, genauso sollte der Trader nicht davon ausgehen, dass sein Trading-System nicht mehr dauerhaft profitabel ist, nur weil es für wenige Wochen oder Monate keinen Profit abwirft. Eine gute Geschäftsidee […] Mehr lesen

Trading: Gedanken zu aggressivem Trading mit hohem Risiko und Gewinn

Gewinne können sich schnell verflüchtigen. Deshalb ist es wichtig auf den Verlust zu schauen.
Wikifolio und Trading-Contests sind dieser Tage wieder in aller Munde. Ob es die Trading Masters sind oder das neue Wikifolio, welches bereits 400% im Plus ist. Es geht immer nur um Rendite, Rendite und nochmals Rendite! Natürlich geht es an der Börse ums Geld verdienen und dies ist sicherlich auch das Ziel am Ende, aber gerade unerfahrene Anleger schauen bloß auf die Zahlen. Ich möchte keinen Trader mit meinen Worten auf die Füße treten oder in ein schlechtes Licht rücken. Es gibt viele gute und auch erfahrene Trader bei den Contests oder auch bei Wikifolio. Da ich selber kein öffentliches Wikifolio betreibe, darf ich sicherlich auch den Munde nicht zu voll nehmen, aber ich betreibe aus mehreren Gründen kein öffentliches Trading.

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Warum ich kein öffentliches Trading betreibe:

  • Zuallererst bin ich meiner Meinung noch nicht „gut“ genug zu sein, um die Verantwortung zu tragen, fremdes Kapital zu verwalten. Ich persönlich möchte erst einen gewissen Trackrecord aufbauen und mir selber Beweisen, dass mein Trading auch in verschiedensten Marktsituationen über lange Zeit funktioniert. Ein Backtest gibt mir hier nur begrenzt Vertrauen, denn meine psychologische Komponente kann er nicht abbilden.
  • Ich bin der festen Meinung, dass jeder Trader seine eigene Strategie benötigt, die zu einem passt. Daher halte ich nichts davon, einen Signaldienst o.ä. anzubieten. Die Follower würden dennoch am Ende verlieren. Nicht weil die Signale nicht gut wären, sondern weil sie vielleicht nicht die psychologische Einstellung haben und Signalen nicht folgen.
  • Mir ist Aufmerksamkeit nicht wichtig. Im Gegenteil: Je mehr Aufmerksamkeit man erhält, desto mehr setzt einen die Öffentlichkeit unter Druck. Ich will auch nicht in einem Konkurrenzdenken verfallen, die größten Gewinne zu produzieren. Das geht am Ende nach Hinten los.
  • Ich bin der Meinung, dass die meisten Investoren bei z.B. Wikifolio das Risiko im Produkt nicht erkennen und damit auch das öffentliche Bild des Tradings getrübt wird.

Es gibt sicherlich Menschen, die ein eigenes Wikifolio oder öffentliches Trading als Herausforderung verstehen und sogar Bestleistung bringen. Ich gehöre sicherlich nicht dazu.

Auffällig an der Renditeschlacht eines öffentlichen Accounts ist der oft hohe Verlust. Sortiert man die Wikifolios nach höchster Rendite seit Beginn, trifft man auf wundervolle Zahlen, die man sonst nur von EAs für Metatrader kennt. Doch der Unterschied hier ist, dass die Handelssysteme nicht an die Vergangenheit angepasst sind, sondern real gehandelt werden. Viele Wikifolios weisen einen maximalen Verlust >50% auf. Dies bedeutet, dass der größte Kapitalrückgang in der Vergangenheit bei mehr als 50% lag. Jetzt kann man meinen, dass es ja toll ist, denn schließlich weist das Wikifolio immer noch mehr als x-hundert Prozent Gewinn auf, aber hierbei vernachlässigt man zwei Komponenten.

Zwei Komponenten für die Betrachtung von maximalen Verlusten:

  1. Der schlimmste Verlust steht noch bevor: Der angegebene maximale Verlust bezieht sich immer auf die Vergangenheit. Dies bedeutet aber nicht, dass er in Zukunft nicht höher ausfallen kann. So kann z.B. der maximale Verlust vom Portfoliohoch in Zukunft 90% statt 50% betragen. Oder sogar einen Totalverlust. Wer 90% seines Kapitals verliert, muss 900% Rendite erzielen, um wieder auf break-even zu gelangen. Das geht nur mit hohen Einsätzen, die wiederum ein noch höheres Risiko bringen. Für mich ist die hieraus abgeleitete Lehre, konservativ vorzugehen und jederzeit mit dem schlimmsten zu rechnen. Es ist schließlich das Ziel im Spiel zu bleiben und nicht irgendwann zuzuschauen.
  2. Psychologisch muss man damit leben können: Es gibt Trader, die erstaunlich gefestigt mit großen Verlusten umgehen können. Verluste von 50% oder mehr? Kein Problem. Ein oder zwei Trades und die Verlust sind aufgeholt. Doch was die Kunst dahinter? Sehr, sehr wenig zu traden und eine sehr sehr hohe Trefferzahl zu haben. Dies setzt eine starke mentale Verfassung voraus, wie sie eigentlich nur „Magier der Märkte“ besitzen. Ansonsten wird man mit großem Risiko bankrott gehen. Wer nachts gut schlafen kann, wenn er 5 mal in Folge 10% des Kontos verloren hat, kann diese Art des Tradings betreiben. Die meisten dürften schlaflose Nächste haben oder eine merkwürdige Einstellung gegenüber ihrer Verantwortung gegenüber der Investoren.

Wer möchte, kann ein wenig mit dem Tool zur Berechnung des „Risk of Ruin“ (Risiko für Totalverlust) spielen. Es ist ein wenig schwierig zu bedienen, aber zeigt einem, wie schnell der Ruin erreicht werden kann. Man muss aber hier beachten, dass es sich dennoch um eine fiktive Betrachtung handelt. Selbst, wenn der „Risk of Ruin“ Wert am Ende nur 20% beträgt, schließt das einen Totalverlust nicht aus. Wie gesagt: Die Zukunft ist ungewiss.

Neben der Risiko-Betrachtung muss man auch die Performance ein wenig genauer verstehen. Zahlen wie z.B. +800% sehen für den Moment sehr gut aus. Nun muss man innehalten und einen Schritt zurücktreten: +800% bedeutet aber auch, dass sich die Kapitalkurve irgendwo oben befindet und man ein Portfolio erwischt hat, was für den Moment einen hohen Gewinn aufweist. Schließlich ist man über alle Portfolios hinweggegangen, die einen Totalverlust erlitten haben. Waren diese vielleicht noch vor wenigen Monaten auch bei +800%? Ein Portfolio, welches 70% von +800% verliert ist nur noch bei +240%. Das ist zwar auch immer noch erstaunlich hoch, aber die Schwankung ist riesig. Ein weiterer Verlust und man ist sehr schnell bei geringeren Beträgen. Also zeigen sich auch hier wieder die beiden obigen Komponenten.

Zwei Komponenten für die Betrachtung von Gewinnen:

  1. Verluste sind größer, wenn das Konto steigt: Der Zinseszinseffekt ist die größte Waffe des Traders. Aus diesem Grund ist es ja so wichtig, die Drawdowns gering zu halten. Eine einfache Rechnung belegt aber: 100 € * 800% = 800%. D.h. man benötigt 800% um sein Konto zu verachtfachen. Man benötigt aber nur 50% Verlust, um sein Konto auf eine Vervierfachung zu reduzieren. Dies zeigt, dass Drawdowns um jeden Preis zu vermeiden sind. Nun benötigt man nämlich 100% um wieder zurück auf die Verachtfachung zu kommen. Die Schwankung im Depot dürfte sehr groß sein und damit nimmt auch das Risiko des Totalverlustes zu. Denn: Der größte Verlust steht noch bevor.
  2. Verkraftet man psychologisch diese Schwankungen? Natürlich kann man die Beträge in Geld relativieren und das sollte man auch tun, aber irgendwann holt einen die Realität wieder ein. Wenn man sein Konto erst einmal von 150.000 € auf 75.000 € reduziert hat, dürfte man ziemlich angeschlagen sein. Kann man sich dann noch an sein System halten?

Ich bin der festen Meinung, dass es Trader gibt, die auch nach einem 96% Verlust das Geld wieder aus dem Markt herausholen und neue Höchststände erreicht. Hier muss man natürlich sehr genau prüfen, wie das gemacht wurde, aber es ist durchaus möglich. Viele schaffen das aber nicht mehr. Daher ist es wichtig den Gewinn immer nur als Moment zu begreifen und eher auf die Verlust zu schauen. Die Gewinne können sehr schnell schwinden, wenn man hohe Verluste hat.

Was will ich mit diesem Artikel ausdrücken? Ich möchte hier nur Gedanken platzieren. Es geht mir nicht darum, Contests, Trader oder Wikifolio anzugreifen. Im Gegenteil: Ich finde beispielsweise Wikifolio eine großartige Möglichkeit, Trading in die Öffentlichkeit zu rücken und Menschen die Möglichkeit zu geben an aktivem Trading zu verdienen. Es geht mir vielmehr darum aufzuzeigen, dass hohe Gewinne versteckte Risiken bergen, die nicht immer sofort offensichtlich sind. Leider ist es auch meistens so, dass die Trader, die beispielsweise immer 10% bei jedem Trade riskieren, das kleinste Konto handeln. Große Trader dagegen riskieren meist nur einen sehr geringen Teil … Reich ist halt noch niemand schnell und risikolos geworden. Ich möchte dafür werben, risikobewusst zu handeln und sich als Trader aus der Renditeschlacht herauszuhalten. Seinen eigenen Stil zu finden und über längere Zeit im Spiel zu bleiben ist wesentlich besser als zu versuchen schnell sein Konto nach oben zu „pimpen“. Die Frustration wird schlimmer, wenn man große Verlust einfährt und am Ende dem Trading fernbleibt. Sein Risiko erhöhen, kann man immer noch, wenn man sich und seinen Stil gefunden hat. Bei einem Risiko von 1% oder 2% des Kontos ist es ein langer Weg bis man ganz unten angekommen ist.

Bild: Unter der Verwendung von Wikifolio. Die Zahl ist frei erfunden. Sollte sie zufällig einem Wikifolio ähnelnd, ist dies nicht beabsichtig.

© Copyright 2018 - Julian Komar - >500 Artikel im Trading Blog ★ Trading ✓ Trendfolge ✓ Trading System ✓ Tradingpsychologie ✓ Erfolg & Motivation ★ Trading Blog für Trader & Einsteiger
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