Die Logik des Misslingens. Strategisches Denken in komplexen Situationen von Dietrich Dörner

Die Logik des Misslingens. Strategisches Denken in komplexen Situationen von Dietrich Dörner

Das Buch „Die Logik des Misslingens“ von Dietrich Dörner war eine Empfehlung des Bloggers Marko Momentum und ich habe mir nach einiger Zeit endlich das Buch gekauft und im letzten Urlaub gelesen. Es war sozusagen ein Bonus zu meiner Sommer-Leseliste.

Am Anfang […] Mehr lesen

Gedanken: Stabile komplexe Systeme

Komplexe Systeme lassen sich nicht künstlich stabilisieren. Wann hören die Notenbanker endlich mit diesem Denken auf?
Im Artikel zum Absturz des CHF gegenüber dem EUR habe ich es schon angedeutet: Schuld sind nicht irgendwelche Händler oder Betrüger, sondern die Hirngespinste der Notenbanker, komplexe Systeme zu stabilisieren. Die Notwendigkeit solch einer Stabilisierung möchte ich gar nicht in Frage stellen und kann sie auch nicht beantworten. Es ist die Denkweise und Wahrnehmung, die solche Ereignisse wahrscheinlich macht.

Werbung

Märkte leben von einem gewissen Chaos oder auch Volatilität. Nassim Nicholas Taleb hat sich ausführlich mit dieser Thematik beschäftigt und in zahlreichen Büchern veröffentlicht. Es ist notwendig, dass Märkte sich frei bewegen können, damit die Marktteilnehmern ihren Ansichten freien Lauf lassen können. Jeder Eingriff oder die Stabilisierung eines solch komplexen Systems erzeugt nur größere Volatilität, wenn ein unvorhergesehenes Ereignis eintrifft.

Die meisten Marktteilnehmer gewöhnen sich an die Stabilität, die künstlich in dem Markt erzeugt wurde.

Warum ist das so? Die meisten Marktteilnehmer gewöhnen sich an die Stabilität, die künstlich in dem Markt erzeugt wurde. Sie gehen unterbewusst davon aus, dass sich die Zukunft aus der Vergangenheit ergibt und sich linear fortschreiben lässt. Was heute, gestern und letzte Woche so war, wird auch morgen sein. Die Möglichkeit eines Wechsels der vorherrschenden Verhältnisse wird gar nicht betrachtet. Tritt das Ereignis ein, verfallen die Marktteilnehmer in Panik und strömen alle gleichzeitig zu den Ausgängen. Sie sind enttäuscht über ihre eigene implizite Annahme und ggf. mit Verlusten konfrontiert. Ließe man dem Markt freien Lauf, würde sich dieses Denken erst gar nicht entwickeln, sondern eine gewisse Volatilität wäre alltäglich. Aber es gibt natürlich immer zwei Seiten: Wer dieses Verhalten beobachtet und davon weiß, der kann davon profitieren. Wer die menschlichen Emotionen in einem Markt herauslesen oder in einem Trading-System abbildet kann, rechnet mit solchen Ereignissen und profitiert davon.

Es gibt weder ein Richtig noch ein Falsch zur Zeit eines Handelsgeschäft, da die Zukunft nicht bekannt ist.

Neben den Marktteilnehmern, die diese Ereignisse nicht erwarten, sind es die Notenbänker, die glauben „Märkte müssen kontrolliert werden“. Märkte und der Handel an der Börse ist ein komplexes System, in dem unzählige Teilnehmer miteinander Geschäfte eingehen und jeder der Teilnehmer eines Geschäfts eine Gegenteilige Meinung besitzt. Es gibt weder ein Richtig noch ein Falsch zur Zeit eines Handelsgeschäft, da die Zukunft nicht bekannt ist. Die Grundlage der Märkte ist also, dass eine Seite immer falsch liegt und sich eine bestimmte Richtung durch viele falsche Geschäfte herausbildet. Also dadurch, dass viele Marktteilnehmer verlieren ergibt sich ein Trend in den Märkten in dem die Gewinner übrig bleiben.

Notenbanker gehen jedoch mit einer anderen Sicht an die Märkte heran. Sie wollen keine Volatilität und damit zu große Trends in die eine als auch in die andere Richtung. Es geht ihnen um eine Stabilität der Währung und setzen somit Rahmenbedingungen, was nach ihrer Meinung richtig oder falsch ist. Sie glauben daran, dass sich die Meinung vieler durch wenige kontrollieren lassen. Genau hier liegt der Irrtum. Die Masse wird am Ende recht behalten, da die wenigen, die Meinungen kontrollieren, über einen langen Zeitraum nicht die Kraft haben, die Massen „zu unterdrücken“. Es ist der Irrtum, dass sich komplexe Systeme beherrschen lassen. Das gilt in Wirtschaft, Gesellschaft, Natur und unzähligen weiteren Gebieten.

Akademiker untersuchen Vergangenheit und führen Gedankenexperimente durch, jedoch betrachten sie oft nicht die Praxis.

Viele Forscher beschäftigen sich mit der Thematik der Beherrschbarkeit. Wie können wir die Natur beherrschen? Wie können wir die Gesellschaft stabilisieren? Wie kann der Mais-Preis stabil gehalten werden? Die Forscher sind Berater der Politik und Manager und diese stützen sich auf die Untersuchungen der Forscher. Was dabei außen vor gelassen wird ist die Praxis. Akademiker untersuchen Vergangenheit und führen Gedankenexperimente durch, jedoch betrachten sie oft nicht die Praxis. In einem kontrollierten Experiment wird sich ein Vulkan sicherlich stabilisieren lassen. Doch alleine schon die Konstruktion des Experiments bestimmt das Ergebnis. Die Parameter, die für ein Vulkanexperiment festgelegt werden, bestimmen am Ende den Ausgang. Der Faktor Zufall oder extremere Ereignisse als in der Vergangenheit wird außen vor gelassen. Wer kann auch schon damit rechnen, dass dieser Vulkanausbruch diesmal extremer wird?

Es wäre auch überhaupt nicht schlimm, dass Notenbanker diese Fehler machen, wenn sie daraus lernen würden. Doch die letzten Jahrzehnte haben gezeigt, dass sie es nicht tun. Somit wird auch in Zukunft immer wieder zu erwarten sein, dass seltene Ereignisse „unvorhergesehen“ eintreten. Wem jedoch diese Problematik bewusst ist, kann den Faktor Zufall und extreme Ereignisse in sein Leben und Trading integrieren und somit sein Trading-System „Antifragilität“ verleihen.

 

© Copyright 2018 - Julian Komar - >500 Artikel im Trading Blog ★ Trading ✓ Trendfolge ✓ Trading System ✓ Tradingpsychologie ✓ Erfolg & Motivation ★ Trading Blog für Trader & Einsteiger
* Diese Seite enthält Affiliate-Links. Hierdurch unterstützt du meine Arbeit!