Trading-System: Passend wie ein Maßanzug

Nur, wenn das Trading-System um die eigene Persönlichkeit herum aufgebaut ist und zu den eigenen Überzeugungen passt, wird man in der Lage sein ihm zu folgen.
Wer handelt schon gerne gegen seine Natur? Fragt man eine Person, wird sie wahrscheinlich sofort mit „Nein, ich nicht“ antworten. Doch im Trading und bei finanziellen Entscheidungen findet man in der Realität genau das. Wer das Buch von Daniel Kahneman „Schnelles denken, langsames denken“ gelesen hat, weiß wovon ich spreche.

Werbung

Ein Trading-System soll helfen Trading-Entscheidungen den individuellen Spielraum zu nehmen, um „bessere“ Entscheidungen zu treffen. Der Anfänger mag denken, dass ein Trading-System die Antwort auf alles ist und man damit den persönlichen Faktor und dessen Unzulänglichkeiten komplett ausschalten kann. Doch dem ist nicht so …

Bei Interviews mit Tradern, die ein vollautomatisches Trading-System einsetzen, höre ich immer wieder, dass es sogar schwerer sein kann, solch ein Trading-System einzusetzen.

Selbst Trader die ein vollmechanisches Trading-System einsetzen, dass vollautomatisch von einem Computer ausgeführt wird, können das Trading-System und damit den Erfolg sabotieren. Bei Interviews mit Tradern, die ein vollautomatisches Trading-System einsetzen, höre ich immer wieder, dass es sogar schwerer sein kann, solch ein Trading-System einzusetzen. Man muss nicht nur sich selber trauen, sondern einem „Fremdkörper“: Dem System.

Doch wie viel Spielraum lässt man sich selbst bei seinem Trading-System? Jack Schwager betont bei seinen Studien erfolgreicher Trader (Buch: Magier der Märkte) immer wieder, dass die Trader ein Trading-System geschaffen haben, was ihrer Persönlichkeit entspricht. Dieses macht mich immer wieder nachdenklich und es klingt logisch. Erfolgreiche Trader bauen ein System um ihre Persönlichkeit herum und nicht zuerst das System und passen ihre Persönlichkeit darauf an. Dieser Grundgedanke folgt dem Grundsatz, dass man persönliche Stärken stärken soll und nicht Schwächen ändern.

Tharp schlägt vor, dass man min. 100, besser sogar 200 oder 300 Überzeugungen sammeln soll, die man auf den Prüfstand stellt.

Auch das Buch „Super Trader“ von Van Tharp beschäftigt sich damit, wie man ein Trading-System zu seiner Persönlichkeit entwickelt. Tharp schlägt vor, dass man min. 100, besser sogar 200 oder 300 Überzeugungen sammeln soll, die man auf den Prüfstand stellt. So findet man heraus, was man mag, was einem liegt und was nicht. Ein Beispiel:

  • Eine Überzeugung könnte z.B. sein: „Ich mag Aktien, die sich schnell bewegen, weil diese sofort von Anfang an zeigen, dass ich mit dem Trade auf der richtigen Seite stehe“. Ist diese Überzeugung richtig? Was sagt sie über dein Trading-System aus und findet diese Überzeugung in deinem jetzigen Trading-System Platz?
  • Eine widersprüchliche Überzeugung könnte sein: „Nur Aktien, die niedrige KGV-Bewertung haben, sind gute Kaufkandidaten“. Wie passt solch eine Überzeugung in dein Trading-System, wenn es rein technisch aufgebaut ist? Ist diese Überzeugung wertvoll oder hindert sie dich?
  • Eine Überzeugung könnte auch sein: „Ich weiß nicht, welches Trading-System in der jetzigen Situation am besten abschneidet. Niemand kann das wissen. Aus diesem Grund habe ich mehr als ein Trading-System im Einsatz, die alle gleichzeitig im Markt aktiv sind.“
  • Ich persönlich bin z.B. der Überzeugung, dass der Markt auf meiner Seite sein muss. So verringere ich das Risiko und erhöhe meine Chancen. Zudem bin ich überzeugt, dass der Preis alle relevanten Informationen enthält und dieser in der jetzigen Sekunde Ausdruck der Bewertung aller Marktteilnehmer ist. Deshalb ist Preis die wichtigste Information, die ich benötige. Mein Trading-System ist um diese Information herum aufgebaut.
Weil man nur dann in der Lage sein wird, sein Trading-System in allen Zeiten auszuführen und zu folgen.

Warum ist es so wichtig ein Trading-System um seine Überzeugungen herum zu bauen? Weil man nur dann in der Lage sein wird, sein Trading-System in allen Zeiten auszuführen und zu folgen. Doch mit dem Entwurf eines Trading-Systems ist es noch lange nicht getan. Man muss das Trading-System testen, ggf. anpassen und auch eine entsprechende Geisteshaltung entwickeln. Nur so kann man mit einem Trading-System Erfolg haben, so meine Überzeugung. Es ist ein langer Weg dorthin und es Bedarf sicherlich Jahre bis man dort angekommen ist. Auch ich spüre dies immer wieder. Trading ist ein Weg und eine Profession. Man kann auch nicht erwarten mit ein bisschen Joggen am Wochenende Usain Bolt zu schlagen …


Trading Bücher zum Thema

Hier eine kleine Auswahl empfehlenswerter Literatur zum Thema. Wer weitere Bücher sucht, findet diese hier: Trading-Bücher.

Magier der Märkte: Interviews mit Top-Tradern der Finanzwelt Magier der Märkte: Interviews mit Top-Tradern der Finanzwelt
Meine Bewertung: starstarstarstarstar
von Jack D. Schwager
"Das Buch gehört ebenfalls meinen Top-3 Trading-Büchern! Es beinhaltet viele spannender Interview mit den erfolgreichsten Tradern aller Zeiten."
Hier gibt einen ausführlicheren Artikel zum Buch Magier der Märkte.
Jetzt bei Amazon kaufen
Clever Traden mit System Clever traden mit System: Erfolgreich an der Börse mit Money Management und Risikokontrolle
Meine Bewertung: starstarstarstarstar
von Van K. Tharp
"Das Buch gehört zu meinen Top-3 Trading Büchern! Es beinhaltet alles, was ein Einsteiger braucht und so manche Erkenntnis für Fortgeschrittene. Unter anderem geht es auch viel um das Thema Trading-Systeme und die Hintergründe."
Jetzt bei Amazon kaufen
Trend Following. Wie erfolgreiche Trader in Hausse und Baisse Millionen machen Trend Following. Wie erfolgreiche Trader in Hausse und Baisse Millionen machen
Meine Bewertung: starstarstarstarstar
von Michael Covel
"Für mich eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe. Ich lese es noch oft und es ist das fundamentale Werk zum Thema Trendfolge!"
Jetzt bei Amazon kaufen

 

Risikomanagement: „Why BIG trades are a BAD idea“ – Steve Burns

Werbung

Steve Burns hat einen Artikel über Van Tharps „Marble Game“ geschrieben. Sehr lesenswert! Der Artikel beschäftigt sich mit Risikomanagement im Trading. Er beschreibt, warum Wetten mit einem hohen Kapitaleinsatz zum Ruin führen. Risikomanagement im Trading ist das A und O um langfristig zu überleben.

Hier könnt ihr den Artikel lesen: http://newtraderu.com/2013/11/13/why-big-trades-are-a-bad-idea/

 

Trading: Was macht einen Verlusttrader aus, Dr. Van Tharp?

Es ist möglich allen Punkten von Dr. Van Tharp etwas entgegenzusetzen. Der Schlüssel ist, sich selber kennenzulernen und hart an sich zu arbeiten.
Das wievielte Mal lese ich nun „Magier der Märkte“ von Jack Schwager? 4 oder 5. Mal dürfte es schon sein. Ich finde immer wieder inspirierende Stellen und es gefällt mir, erfolgreiche Trader zu studieren. Hier kann ich noch viel lernen.

Werbung

Bei dem Interview mit Dr. Van Tharp (Kapitel: „Die Psychologie des Tradings“) ist mir eine Stelle besonders ins Auge gestochen. Sie dreht sich um die Frage, was einen Verlusttrader ausmacht.

Frage: „Was macht unter Berücksichtigung dieser Gebiete einen Verlussttrader aus“?

Antwort: „Das komplette Profil eines Verlusttraders beschreibt eine Person, die stark gestresst ist, sich aber schlecht vor Stress schützen kann; eine negative Einstellung zum Leben hat und immer das Schlimmste voraussetzt; eine sehr konfliktreiche Persönlichkeit hat; und die Schuld auf andere schiebt, sobald etwas schief geht. Eine solche Person versteht nicht, ihr Verhalten zu steuern, und neigt eher dazu, der Masse zu folgen. Verlusttrader neigen außerdem dazu, schlecht organisiert und ungeduldig zu sein. Sie erwarten, dass alles auf der Stelle passiert. Die meisten Verlussttrader sind nicht ganz so schlecht wie das komplette Profil. Sie weisen nur einen Teil des Verliererprofils auf“.

Auszug aus Magier der Märkte, Jack Schwager, S. 462, Finanzbuch Verlag

Das ist nicht ganz einfacher Stoff. Auch ich habe einige Punkte wieder erkannt, an denen ich bis heute hart arbeite, aber jeden Tag besser werde. Dr. Van Tharp ist Psychologe und NLP’ler und arbeitete schon zur Zeit des Interviews mit vielen Traders zusammen. Er dürfte diese Erkenntnisse daher aus dieser Zusammenarbeit, sowie Studien gezogen haben.

Nehmen wir das ganze einmal auseinander und brechen es in die Bestandteile auf.

Zentrale Punkte eines Verlussttraders

Die Punkte sind aus der oberen Antwort entnommen. Dazu habe ich meine Erfahrung und Interpretation geschrieben:

  1. Stark gestresst: Stress wird erzeugt, wenn wir Angst haben. Die Angst entspringt oft aus dem fehlenden Vertrauen in das eigene System und Fähigkeiten. Man muss an sich arbeiten und Vertrauen in sein Trading aufbauen, sowie ein Regelset definieren, was zur eigenen Persönlichkeit passt.
  2. Kann sich schlecht vor Stress schützen: Dies ist ein Zeichen, dass die Person nicht weiß, wie man an sich arbeitet. Ein Schutz gegen Stress baut man innerlich auf. Stress ist immer etwas, was in mir entsteht und daher kann ich es nur von innen lösen. Ich muss mich selber gut kennen und die Anzeichen wahrnehmen, wenn ich nervös und gestresst bin, sowie Gegenmaßnahmen parat haben.
  3. Negative Einstellung zum Leben: Ich sehe dies immer als große Gefahr an. Wenn man eine negative Einstellung besitzt, wird man auch nur negatives zurückerhalten. Mit negativer Einstellung ist sicherlich gemeint: Gegenüber mir selbst, Dingen und anderen Menschen. Eine negative Einstellung ist ein großes Hindernis, um neue Dinge kennenzulernen, voranzukommen und Selbstvertrauen aufzubauen.
  4. Immer das Schlimmste voraussetzen: Dies ist eng an Punkt 3 gekoppelt. Ein Beispiel wäre: Mein Kollege hintergeht mich und ich werde gefeuert. Dies ist nur die eigene Interpretation und wird vermutlich nie auftreten. Es ist eine negative Einstellung, die sehr viel Kraft und Energie verlangt, da sie stark mit Emotionen verknüpft ist. Dieses Problem muss man angehen, um den Kopf frei zu bekommen.
  5. Konfliktreiche Persönlichkeit: Konflikte sammeln sich über die Zeit an, wenn man sie nicht löst. Es können unterbewusste Konflikte sein, die sich im Verhalten widerspiegeln und von denen man nichts merkt. Entweder man entdeckt und löst diese selber oder man muss sich einen Profi widmen. Die Lösung ist wichtig, damit man seine Aktionen nicht unterbewusst manipuliert.
  6. Schuld auf andere schieben: Ja, dass kennt man … Der Broker ist schuld, der Markt ist schuld, der andere Trader ist schuld etc. Es hilft nichts, man muss selber Verantwortung übernehmen. Schließlich hat man selber den Vertrag beim Broker unterschrieben, den Trade aufgegeben und auf den Rat des anderen Trader gehört.
  7. Versteht nicht das eigene Verhalten zu steuern: Dies hängt für mich eng mit Punkt 2 zusammen. Trading ist eine Reise zu dir selbst, du lernst dich selber kennen. Es ist eine starke geistige Herausforderung und man muss hart an sich arbeiten. Ziel ist es sich selber so gut zu kennen und unter Kontrolle zu haben, dass man sich nicht selber betrügt. Hier liegt meines Erachtens das größte Potential.
  8. Der Masse folgen: Die Masse hat nie recht! Damit ist nicht gemeint, dass der Markt nicht recht hat, der die Masse repräsentiert, sondern eher das Verhalten und die Meinung der Masse. Die meisten Trader handeln ohne System – die Masse hat nicht recht. Viele Teilnehmer an der Börse betreiben Buy-and-Hold – die Masse hat nicht recht. Der Masse zu folgen ist bequem und einfach, doch leider ist es genau der unbequemere, schwierige Weg, der Erfolg bringt. Man ist zwar ein Außenseiter, aber dabei erfolgreich. Zur Bestätigung muss man sich nur bei den erfolgreichen Entrepreneuren umschauen.
  9. Schlecht organisiert: Trading ist ein Prozess. Diesen Prozess zu gestalten ist eines der Ziele. Der Prozess an sich erzeugt den Gewinn, nicht der Trader. Schlechte Organisation des Prozesses bedeutet damit auch langfristig schlechte Tradingergebnisse. Mit Prozess ist die gesamte Kette des Tradings gemeint: Von der Marktanalyse bis zur Dokumentation.
  10. Ungeduld: Eines meiner größten Probleme. Die Ungeduld resultiert aus Angst heraus: Angst etwas zu verpassen, zu verlieren, Zweifel. Diese Angst kann man nur in den Griff bekommen, wenn man Regeln definiert und diesen folgt. Zudem ist es wichtig, sich klar zu machen, dass Trading kein Sprint, sondern ein Marathon ist. Die langfristige Perspektive zählt, also die Erwartung über z.B. 1000 Trades.

Wie man oben sieht, kann man zu jedem Punkt etwas finden, was man dagegen unternehmen kann. Es ist wichtig, sich intensiv mit diesen Punkten auseinander zu setzen. Dies erfordert viel Zeit. Wie wäre es, wenn man sich mit jedem Punkt zwei Wochen beschäftigt? Viel dazu liest, aufschreibt, Interviews hört … Daneben täglich sich selber beobachtet und Tagebuch führt? Das ist es, was ich mit harter Arbeit meine.

 

Trading: Van Tharp Trader Test

Werbung

Unter der URL http://www.tharptradertest.com/ bietet der bekannte Autor und NLP Meister Van Tharp einen Selbsttest zur Einstufung des Trader Typs an. Van Tharp unterscheidet Trader in verschiedene Typen, wie man auch im Buch „Super Trader“ nachlesen kann. Die Einstufung beruht auf einer Studie mit mehr als 5.000 Trader. Ich persönlich habe den Test gemacht und bin als „Strategic Trader“ eingestuft worden …

Trading: Meine Top 3 Trading Bücher

Aha-Effekte zeigen einem, dass man vorankommt …
Es gibt sicherlich tausende Bücher zum Thema Trading. Doch einige Trading Bücher stechen immer wieder hervor und bringen einem einen Aha-Effekt. Dieser wertvolle Moment, wenn ein Umdenken oder eine Einsicht stattfindet, vergisst man selten. Es sind die Momente, wo man deutlich spürt, dass man einen Schritt voran gekommen ist. Oft passiert es gleich beim ersten Lesen, manchmal auch erst beim zweiten Mal. Trading Bücher sind eine Kategorie für sich. Viele unterstützen den Trader nicht, sondern verwirren mehr. Ein Buch vollgepackt mit Strategie oder Zauberformeln wird keinem, außer dem Verlag, weiterhelfen. Meine bisherige Erkenntnis zum Thema Trading Bücher ist, dass es oft die unbeachteten Bücher sind, die einem weiterhelfen.

Werbung

Meine Top 3 in der Kategorie Trading Bücher:

  1. Trend Following von Michael Covel*: In diesem Buch war mein Aha-Effek,t zu sehen, wie konsistent Trendfolger vorgehen und über Jahrzehnte ihren Systemen treu bleiben. Es zeigt eindrucksvoll die Performance der Trendfolger und gleichzeitig die Losgelöstheit von der sonstigen Trading-Masse. Ein sehr gutes und motivierendes Trading Buch.
    Mehr Infos: Trend Following, M. Covel*
  2. Magier der Märkte von Jack Schwager*: Der Absolute Klassiker über Trading! Die Interviews sind motivierend und gleichzeitig unterhaltsam. Meine Aha-Effekt: Viele Momente, wo über das Thema Risiko diskutiert wird; die Überzeugung und klaren Worte von Ed Seykota.
    Mehr Infos: Magier der Märkte, J. Schwager*
  3. Clever Traden mit System von van Tharp*: Dieses Trading Buch gibt einen sehr guten Überblick über alle Bereiche des Tradings. Mein Aha-Effekt hier: Money Management und Multiple-R-Verteilung. Zudem gefällt mir der Teil mit den unterschiedlichen Trading-Philosophien gut.
    Mehr Infos beim FinanzbuchVerlag: Clever Traden mit System 2.0, v. Tharp*

Neben diesen Top 3 Trading Bücher gibt es noch eine Reihe weiterer beeindruckender Bücher zum Thema Trading, Handelssysteme, Trading-Psychologie und Technische Analyse. Doch die oberen Top 3 würde ich niemals weggeben und immer wieder lesen … Gleich auf Platz vier kommt übrigens: Das Spiel der Spiele 😉

© Copyright 2018 - Julian Komar - >500 Artikel im Trading Blog ★ Trading ✓ Trendfolge ✓ Trading System ✓ Tradingpsychologie ✓ Erfolg & Motivation ★ Trading Blog für Trader & Einsteiger
* Diese Seite enthält Affiliate-Links. Hierdurch unterstützt du meine Arbeit!