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Trading: Markt- und Aktienauswahl

Überschätzt man die eigenen Fähigkeiten der Aktienauswahl? Ist es sinnvoll, dass man ganze Märkte ausschließt, nur weil sie im Backtest nicht gut performten?
Ein Trader muss sich beim Erstellen seines Systems auch um die Marktauswahl kümmern. Welche Märkte trade ich? Beim Fokus auf den Aktienmarkt stellt sich dann auch die Frage, welche Aktien ich handele. Hierfür muss man Regeln haben, um Kandidaten mit einem guten Chance-Risiko-Verhältnis (CRV) zu identifizieren.

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Wenn ich Bücher über Systementwicklung und Backtesting lese, fällt mir immer wieder auf, dass Autoren ihre Systeme mit Hilfe der Marktauswahl optimieren. Sie entwickeln einen Systemansatz und schauen im Nachhinein, in welchen Märkten das System am besten performt hat. Dann werden die Märkte, die nicht gut performt haben, aussortiert. Ich will diese Vorgehensweise kritisch beleuchten und hinterfragen.

Dies ist nicht eine Frage des Marktes oder der Aktie an sich, sondern wie das Tradingsystem darauf reagiert.

Schaut man sich einen Chart an, sieht man, dass sich innerhalb des Kursgeschehens Phasen mit stärkerer/schwächerer Volatilität abwechseln. Kurse steigen, fallen oder laufen seitwärts. Ich glaube auch daran, dass Märkte oder einzelne Aktien eigene Charaktereigenschaften besitzen, einige sind volatiler, andere verhalten sich ruhiger. Ist nun ein volatilerer Markt besser fürs Trading geeignet als ein ruhigerer? Dies ist nicht eine Frage des Marktes oder der Aktie an sich, sondern wie das Tradingsystem darauf reagiert. Ist es so robust, dass es mit Phasen stärkerer Volatilität umgehen kann?

Ich bin der Meinung, dass man einen Faktor unterschätzt, wenn man Märkte für sein Tradingsystem anhand von Backtests aussucht: Die Unwissenheit über die Zukunft. Hat ein Markt in den zwei getesteten Zeiträumen nicht gut performt, heißt es noch lange nicht, dass er dies nicht in Zukunft tun wird. Es gibt Märkte, die Monate oder Jahre nicht zum Tradingsystem passen und sich dann wandeln und wieder gut performen. Schließt man solch einen Markt aus, verpasst man wohlmöglich einen großartigen Tradingkandidat. Niemand kennt die Zukunft …

Die Lösung für dieses Problem liegt meines Erachtens in einem robusten Tradingsystem und einer kürzeren Betrachtung des Marktes.

Die Lösung für dieses Problem liegt meines Erachtens in einem robusten Tradingsystem und einer kürzeren Betrachtung des Marktes. Man sollte nicht Märkte generell ausschließen, sondern vielmehr immer wieder prüfen, ob der Markt sich zur Zeit für das Trading eignet. Ein Volatilitätsfilter wäre eine Lösung, die auch vielmals verwendet wird.

Zudem will ich noch einen Faktor beleuchten, der mir bei Backtests mit nicht-performenden Märkten auffällt. Es gibt auch Märkte, die in einem festen Basket an Märkten im Backtest keinerlei Sinn ergeben. Sie machen z.B. Verlust oder performen break-even. Doch sie tragen zu einer glatteren Kapitalkurve bei oder gleichen in generellen Verlustphasen Verluste aus. Aus diesem Grund sind solche Märkte ebenfalls interessant, um sie im Basket zu halten.

Ich persönlich überschätze immer wieder massiv die Auswahl von einzelnen Tradingkandidaten.

Ich persönlich überschätze immer wieder massiv die Auswahl von einzelnen Tradingkandidaten. Was macht Aktie A interessanter als Aktie B? Bevor man einen Trade eingeht, sieht der Kandidat noch schön und gut aus. Weniger Tage später merkt man, dass Aktie B als Tradingkandidat besser gewesen werden. Diese kurzfristige Betrachtung hilft jedoch nicht weiter. Besteht objektiv, gemessen durch die Setup-Kriterien, kein Unterschied zwischen Aktie A und B, macht es auch keinen Unterschied, welchen Kandidaten man handelt. Beim nächsten Mal, kann es nämlich genau andersherum sein: Da ist vielleicht Aktie B erfolgreicher als A. Den Unterschied, den ich mir zurecht reime, entsteht nur in meinem Kopf. Dem Markt ist dies egal und in dieser kurzen Betrachtung ist der Faktor Zufall hoch.

Die Zukunft kann man nicht hervorsehen. Dies ist für mich eine der wichtigsten Erkenntnisse für das Trading. Sie im Kopf zu behalten und zu leben, ist nicht einfach. Nimmt man für das Trading Markt A oder B? Lieber doch Aktie B als A? Im Endeffekt ist dies nicht wichtig, solange man keinen Fehler bei der Setupauswahl macht. In einer langfristigen Perspektive zahlt sich der Vorteil im System aus. Ein Fehler wäre es, dass man meint, dass man Markt A generell nicht handelt, weil man hierin keine Gewinne erzielen konnte. Das kann morgen schon ganz anders sein.

 

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